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Im TV: Medizin-Sensationen

Der Lebenswille der „Schmetterlingskinder“

Von Joachim Müller-Jung
 - 15:18

Es ist knapp ein Jahr her, da ging vom Bochumer Universitätsklinikum Bergmannsheil eine Botschaft der Hoffnung um die Welt, die fast zu schön klang, um wahr zu sein. In wenigen Tagen kann sich jeder mit eigenen Augen ein Bild von dem medizinischen Beinahe-Wunder machen. Am Donnerstag, dem 27. Dezember, ab 9 Uhr wird das ZDF im Vormittagsmagazin „Volle Kanne“ Bilder des kleinen Patienten Hassan zeigen, der nach der wohl spektakulärsten Hauttransplantation der Welt die Hölle hinter sich gelassen hat.

Dem Tod entronnen

Hassan, Sohn einer jungen syrischen Familie, die aus Syrien in den Libanon geflohen und von dort mit Hilfe der Unicef nach Deutschland transportiert worden war, lag 2015 mehr oder weniger im Sterben. Hassan ist ein „Schmetterlingskind“. Wegen eines Gendefektes hatte er schon achtzig Prozent seiner Haut verloren, wie eine fleischige Mumie lag er auf dem Bett. Die Ärzte hatten ihn fast aufgegeben, die Eltern nie. Nach einer unglaublichen Willensleistung, die die Ärzte in Bochum mit einem italienischen Stammzellspezialisten aus Modena zusammenbrachte, wurde der Plan gefasst, Hassan durch eine experimentelle Therapie zu retten, die nie zuvor vorgenommen worden war.

Mit den Stammzellen aus seinem eigenen Körper wurde in Italien in der Petrischale Ersatzhaut gezüchtet. Seine Stammzellen hat man gentechnisch so verändert, dass die daraus entstehenden Hautzellen geheilt waren: Der Gendefekt wurde korrigiert, der vorher dazu führte, dass sich Hassans Haut ständig ablöste, wund wurde und sich immer wieder gefährlich entzündete.

„Erfolg bedeutet Hoffnung“

Nach der OP war Hassan zum ersten Mal in seinem Leben durch eine gesunde Haut geschützt. Davor allerdings konnte niemand wissen, wie das enden würde – wohin es den Jungen auch noch in den nächsten Jahren führen wird. Zwei Jahre warteten die Ärzte mit der Veröffentlichung, bis das Experiment im vorigen Jahr in „Nature“ als vielleicht wegweisende Gentherapie-Erfolg beschrieben wurde. Nun legt das ZDF nach und zeigt, wie sich die ungewöhnliche Therapie auf das Leben des Jungen ausgewirkt hat. „Erfolg bedeutet Hoffnung“, wie es die Ärztin in der bewegenden Dokumentation des ZDF-Teams um Stephanie Schmidt ausdrückt. Die Hoffnung auf eine Heilung kommt bei „Schmetterlingskindern“ und ihren Familien immer wieder auf den Prüfstand.

So auch bei der sechzehnjährigen sympathischen Serina und ihrer Familie aus Süddeutschland, die im zweiten Teil der Doku den dauerhaften, unerträglichen Schmerzen und Rückschlägen mit einer unglaublichen Widerstandskraft und Willen die Stirn bietet. Ein Kampf, den sie immer auch zusammen mit der Medizin führen muss. Die Sendung ist deshalb nicht nur ein Lehrstück über den menschlichen Lebenswillen, sondern auch über Empathie. Wer etwas darüber erfahren will, wieso Mediziner und Forscher ihre noch immer unsicheren Geschütze der Gen- und Zelltechnik auffahren möchten, um in solchen Fällen zu helfen, kann sich mit dieser Sendung ein Bild davon machen.

Quelle: F.A.Z.
Joachim Müller-Jung
Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.
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