FAZ plus ArtikelGlutenfreie Ernährung

Ungesunder Verzicht

Von Michael Brendler
24.11.2018
, 12:35
Getreideprodukte liefern Fasern, die sich nicht ohne weiteres ersetzen lassen.
Wer Gluten ohne Not meidet, enthält dem Körper meist andere, wichtige Nahrungsstoffe vor. Die Begleiterscheinungen sind ebenfalls nicht zu unterschätzen.
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Keine Brötchen, nie Müsli, normale Nudeln sind ebenfalls tabu, wie praktisch fast alle Getreideprodukte. Konsequente Glutenverächter verzichten auch auf Speiseeis und Bier. Weil mehr und mehr Menschen überzeugt sind, dass es ihnen ohne das Getreideeiweiß Gluten bessergeht, opfern sie ein Stück Lebensqualität. Ob sich diese Askese tatsächlich auszahlt, wollte nun der Däne Oluf Pedersen klären: Bisher fehle für die vielen positiven Wirkungen, die der Diät zugeschrieben werden, das wissenschaftliche Fundament, sagt der Stoffwechselforscher vom Zentrum für Metabolische Forschung an der Universität Kopenhagen.

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Kein Mediziner würde bestreiten, dass Zöliakiekranke, die überempfindlich auf Gluten reagieren, dieses Protein meiden sollten. Entsprechend muss ihre Ernährung umgestellt werden. Nun machen das heute aber auch Menschen, bei denen gar keine Unverträglichkeit nachgewiesen wurde. Sie üben sich im Verzicht auf viele Speisen, weil sie sich davon eine bessere Verdauung, weniger Gewicht, mehr Energie und weniger Entzündungen erhoffen, obwohl dergleichen gar nicht nachgewiesen ist. „Ich bin Teil dieser Untergrundbewegung“, gibt Pedersen zu. Seit 19 Jahren macht er um Gluten einen Bogen – und wollte endlich Klarheit haben. Für seine Studie bat Pedersen eine Versuchsgruppe mit 27 Personen, acht Wochen lang eine Art Überdosis zu sich zu nehmen: 18 Gramm Gluten pro Tag statt der 14 Gramm, die der durchschnittliche Däne isst. Auf eine Zwischenphase mit normalem Speiseplan folgten dann acht Wochen des Verzichts, in denen nur etwa zwei Gramm Gluten pro Tag anfielen. Eine zweite Gruppe mit 27 Probanden folgte dem umgekehrten Schema, ansonsten blieben die Bedingungen gleich: Alle Versuchspersonen nahmen in etwa die gleiche Kalorienmenge zu sich; das Verhältnis von Fett, Proteinen, Kohlenhydraten und die Menge der Ballaststoffe veränderten sich nicht.

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Quelle: F.A.S.
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