FAZ plus ArtikelGrippe-Viren in Ställen

In Europa könnte ein Erreger für die nächste Pandemie entstehen

Von Sonja Kastilan
Aktualisiert am 05.08.2020
 - 16:45
Je mehr Schweine gezüchtet und gemästet werden, desto eher treffen verschiedene Influenzaviren aufeinander - und mischen sich. Diese Neusortierung erhöht die Gefahr.
Wer nach Viren mit Seuchenpotential sucht, wird auch in Europas Schweinezuchtbetrieben fündig. Influenza hat dort das ganze Jahr über Saison – das Risiko wird aber nicht überwacht.

Als die Schweinegrippe 2009 durchs globale Dorf zog, schüttelten viele Europäer den Kopf und schauten vorwurfsvoll nach Mexiko. Die Lebensmittel- und Tiermärkte in China sind nicht erst seit Covid-19 in der Kritik, ebenso wenig die asiatischen Geflügelfarmen. Zugleich scheint unser eigenes Verlangen nach Erz, Palmöl, Soja, Tropenholz oder Billigbeef eine erstaunlich kleine Rolle fürs schlechte Gewissen zu spielen, wenn Regenwäldern der Kahlschlag droht und Menschen dadurch der exotischen Fauna bedrohlich nahe kommen. Afrikanisches „Bushmeat“ ist uns stets verdächtig, sollten irgendwo neue Viren und Zoonosen lauern, weniger die eigenen Vorlieben beziehungsweise die Quelle für Schinken, Speck, Bratwürstl, Kotelett und Spareribs.

Die Schuld wird gern woanders gesucht, weit in der Ferne. Wenn aber allein in Deutschland mehr als fünf Millionen Tonnen Schweinefleisch im Jahr produziert werden, ganz Europa auf gut 25 Millionen Tonnen kommt, dann müssen dafür Massen von Tieren gezüchtet und gemästet werden. Und jedes einzelne dieser Schweine kann als „mixing vessel“ für Grippeviren dienen, wie eine Art Thermomix für immer neue Influenza-Rezepturen. „Das passiert alles vor unserer Haustür“, bestätigt Martin Schwemmle vom Institut für Virologie an der Universität in Freiburg.

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Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Kastilan, Sonja
Sonja Kastilan
Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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