Immunologie

Die Abwehr von Säuglingen wird aktiv unterdrückt

Von Emmanuelle Vaniet
16.11.2013
, 08:00
Neugeborene sind gegenüber Keimen hochempfindlich. Dahinter steht ein Mechanismus, der den Kindern in anderen Zusammenhängen hilft, schreiben Wissenschaftler in „Nature“.

Die Empfindlichkeit von Neugeborenen gegenüber Infekten hänge nicht mit deren unreifem Immunsystem zusammen, sondern sei vielmehr der Nebeneffekt einer aktiven Unterdrückung der Immunabwehr, berichten Forscher um Shokrollah Elahi vom Children’s Hospital Medical Center in Cincinnati in der Zeitschrift „Nature“ (doi: 10.1038/nature12675). Die Wissenschaftler untersuchten Mäuse, die künstlich mit dem Erreger Listeria monocytogenes infiziert worden waren. Während alle erwachsenen Tiere die Infektion problemlos überwanden, erlag die Hälfte der sechs Tage alten Nager den Folgen einer unzureichenden Immunantwort.

Suppressive Zellen

Um die neugeborenen Mäuse gegen die tödlichen Bakterien zu schützen, verabreichten ihnen die Forscher kompetente Immunzellen von ihren erwachsenen Artgenossen – allerdings ohne Erfolg. Denn im jungen Organismus, stellten sie fest, befinden sich suppressive Zellen, die sogenannten CD71-Erythrozyten, die die umgebenden Abwehrzellen außer Kraft setzen. Dafür produzieren die CD71-Zellen Arginase – ein Enzym, das Arginin zersetzt, ein Eiweißbauteil, das für funktionsfähige Immunzellen notwendig ist. Diese Fähigkeit vermindert sich allerdings mit dem Alter: Erwachsene Mäuse sowie Menschen besitzen kaum noch aktive CD71-Zellen.

Dass ausschließlich Neugeborene über das suppressive Arsenal verfügen, sehen die Forscher in Zusammenhang mit der Entwicklung der natürlichen Darmflora, die nach der Geburt einsetzt. Denn ohne eine aktive Unterbindung der Immunabwehr könnte die frühe Kolonisierung des Darms durch nützliche Bakterien gefährdet werden.

Quelle: F.A.Z.
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