Kardiologie

Vergängliche Gefäßstützen

Von Nicola von Lutterotti
09.07.2007
, 18:57
Eine Mitarbeiterin der Uni Rostock kontrolliert Stents unter dem Mikroskop
Künstliche Gefäßstützen sollen Herzinfarkten vorbeugen, verursachen aber oft Thrombosen. Metallische Stützen, die sich selbst auflösen, sollen Abhilfe schaffen. Wie jetzt herausgefunden wurde, sind diese zwar gut verträglich, aber wenig wirksam.
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Nur wenige Bereiche in der Kardiologie halten die Wissenschaftler derart in ihrem Bann wie die Entwicklung von Gefäßstützen, von Stents. Trotz intensiver Forschung gibt es bislang kein Modell, das die verlegte Ader langfristig offen hält, ohne den Patienten einem erhöhten Risiko von Komplikationen auszusetzen. So wachsen herkömmliche Metallstents mitunter zu, weil sie beim Kontakt mit der Gefäßwand überschießende Heilungsprozesse hervorrufen. Demgegenüber unterdrücken die neueren Stents, die das Zellwachstum hemmende Medikamente freisetzen, diese Wundheilungsvorgänge so nachhaltig, dass die gestützte Ader anfällig für Thrombosen wird und der Kranke daher einer erhöhten Infarktgefahr ausgesetzt ist.

Ungeachtet solcher Rückschläge ist das Interesse der Wissenschaftler an der Stenttechnik ungebrochen. Inzwischen gibt es schon wieder eine neue Generation von Gefäßstützen, die sich allerdings noch in der Erprobung befindet. Ungewöhnlich an den neuartigen Stentmodellen ist, dass sie im Körper abgebaut werden und daher mit der Zeit verschwinden. Der Frage, wie gut sie sich zur Behandlung von Gefäßengpässen eignen und wie sicher sie sind, ist nun eine internationale Forschergruppe um den Kardiologen Raimund Erbel vom Westdeutschen Herzzentrum in Essen in einer Pilotstudie nachgegangen.

Große Zahl an Rückfällen

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Bei dem getesteten Implantat handelte es sich um einen aus Magnesium bestehenden Stent, der sich im Körper besonders rasch auflöst. Die Teilnehmer der Studie, insgesamt dreiundsechzig an Angina pectoris leidende Männer und Frauen, wurden alle mit solchen Gefäßstützen versorgt und vier und zwölf Monate später ein weiteres Mal untersucht. Über den Ausgang der Studie haben die Autoren kürzlich in der Zeitschrift „Lancet“ (Bd. 369, S. 1869) berichtet.

Zunächst die gute Nachricht: Die Implantation der neuen Gefäßstützen erwies sich als gut verträglich. So erlitten die Teilnehmer weder thrombosebedingte Stentverschlüsse noch Herzinfarkte und auch keine tödlichen Herzattacken. Auch gab es keinerlei Hinweise darauf, dass im Zusammenhang mit dem Abbau der Stents in anderen Herzregionen Gefäßverschlüsse auftraten.

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Wenig überzeugend war hingegen das therapeutische Ergebnis. So mussten nach vier Monaten vierundzwanzig Prozent der gestützten Gefäße wiederum aufgedehnt werden, nach zwölf Monaten bereits fünfundvierzig Prozent. Ursache für die große Zahl an Rückfällen waren einerseits durch den Stentkontakt verursachte zelluläre Wucherungen und andererseits elastische Rückstellkräfte in der - zunächst aufgedehnten - Gefäßwand. Dass die Magnesium-Stents nicht besser abgeschnitten haben, könnte den Forschern zufolge auf dem zu schnellen Abbau der Implantate beruhen. Um diesem Manko zu begegnen, wollen sie die Gefäßstützen nun wieder ins Entwicklungslabor bringen und weitere Verbesserungen vornehmen.

Quelle: F.A.Z., 10.07.2007, Nr. 157 / Seite 34
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