Mechanismus entschlüsselt

Wie Leberzellen durch Hepatitis untergehen

Von Christina Hucklenbroich
Aktualisiert am 26.02.2016
 - 18:00
Hepatitis-B-Viren neben menschlichen Zellen
Erstmals lässt sich genau beschreiben, wie Leberzellen zerstört werden, wenn ein Mensch sich mit Hepatitis-Viren infiziert. Schuld ist offenbar das eigene Abwehrsystem.

Dass Hepatitis eine Erkrankung der Leber ist, lässt sich am Namen unschwer erkennen: „Hepar“ bezeichnet im Altgriechischen die Leber. Die Hepatitis- A-, B-, und C-Viren haben ihren Namen dementsprechend vor allem wegen der Leberschäden bekommen, die sie bewirken. Umso erstaunlicher ist es, dass man bisher nicht genau belegen konnte, wie genau es zu diesen Schäden kommt, wenn sich ein Mensch mit Erregern angesteckt hat, die gezielt die Leber angreifen.

Forscher um Andreas Bergthaler vom Research Center for Molecular Medicine (CeMM) in Wien können diese Wissenslücke nun mit Hilfe von Versuchsmäusen schließen. Die Wissenschaftler beschreiben im Fachmagazin „Immunity“, dass nach Infektionen mit Viren, die die Leber angreifen, das Protein Alpha-Interferon, ein Abwehrmolekül des Immunsystems, aktiv wird. Es lässt sich unter anderem vermehrt im Serum nachweisen.

Zu viele Radikale

Statt nur ihrer Rolle als Abwehrhelfer gerecht zu werden, docken Interferon-Moleküle auch an Rezeptoren der Leberzellen an und hemmen so die Bildung des Enzyms Superoxid-Dismutase 1 (SOD 1). SOD 1 entsorgt eigentlich gefährliche Sauerstoffradikale. Fehlt SOD 1, häufen sich die Radikale in der Zelle an und zerstören sie.

Bergthaler bezeichnet es als überraschend, dass derartige Effekte des gut erforschten Interferon bisher nicht bekannt waren. Im Tierversuch gelang es seinem Team auch schon, den Leberzellrezeptor mit einem Antikörper zu blockieren und so die schädlichen Folgen des Interferons zu verhindern.

Quelle: F.A.Z.
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