Schlaganfallforschung

Wenn das Herz dem Hirn schadet

Von Nicola von Lutterotti
12.01.2014
, 08:00
Viele Schlaganfallpatienten ahnen nichts davon, dass sie schon länger an Vorhofflimmern leiden. Dabei könnte man so unter Umständen ihre Hirnattacke erklären.
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Hirnschläge könnten noch häufiger auf Vorhofflimmern zurückgehen als gemeinhin vermutet. Denn etliche Schlaganfallpatienten leiden an dieser verbreiteten Herzrhythmusstörung, ohne etwas hiervon zu ahnen. Hinweise auf einen solchen Zusammenhang liefern zumindest die Untersuchungsergebnisse von Wissenschaftlern um den Neurologen Martin Grond vom Kreisklinikum in Siegen. Die Teilnehmer der aktuellen Studie, etwa tausend durchschnittlich 67 Jahre alte Männer und Frauen, wurden alle wegen einer gerinnselbedingten Hirnattacke – der mit Abstand häufigsten Schlaganfallursache – im Krankenhaus behandelt.

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Gerinnsel bilden sich im Herzen

Bei keinem der Probanden war bis dahin allerdings Vorhofflimmern diagnostiziert worden. Innerhalb von zwölf Stunden nach Klinikaufnahme wurden alle Patienten mit einem mobilen EKG-Gerät versehen und ihre Herzströme über einen Zeitraum von 72 Stunden aufgezeichnet. Ziel war es, von den Betroffenen nicht bemerkte, sporadisch auftretende Anfälle von Vorhofflimmern zu erfassen: Bedingt durch eine chaotische Ausbreitung der elektrischen Erregung am Herzen, ziehen sich die Herzvorhöfe dabei nicht mehr synchron zusammen, sondern zucken nur noch. An ihren flimmernden Wänden bilden sich leicht Gerinnsel, die, vom Blutstrom ins Gehirn gespült, eine Hirnarterie verstopfen und damit einen Schlaganfall auslösen können.

Wie die Studienautoren im Fachjournal „Stroke“ (Bd.44, S.3357) berichten, belegten die Langzeit-EKG-Messungen bei 49 Patienten mindestens eine Episode von Vorhofflimmern. Hätten die Neurologen die Herzströme, wie gemeinhin üblich, nur über einen Zeitraum von 24 Stunden ermittelt, wären ihnen zwanzig Fälle entgangen. Aus dem Grund halten sie es für sinnvoll, die gängigen Messzeiten zu verlängern. Vorhofflimmern selbst kann man zwar nur schwer angehen. Das damit einhergehende, hohe Schlaganfallrisiko lässt sich mit Hilfe von blutverdünnenden Mitteln allerdings merklich senken.

Quelle: F.A.Z.
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