FAZ plus ArtikelEnde der Pandemie möglich?

„Den idealen Impfstoff gibt es noch nicht“

Von Joachim Müller-Jung
Aktualisiert am 24.11.2020
 - 12:24
Wecher Impfstoff soll es sein?zur Bildergalerie
Mehrere Corona-Impfstoffe stehen vor der Zulassung. Aber was können die Vakzine wirklich? Kann die medizinische Exit-Strategie aufgehen? Ein Gespräch mit Professor Stefan H.E. Kaufmann – einem der erfahrensten Immunologen im Land.

Herr Professor Kaufmann, drei Impfstoffe vor der Zulassung, das lässt hoffen. Aber nicht alle sind vergleichbar. Warum sollte man den weniger wirksamen Oxford-Impfstoff von Astra-Zeneca nehmen wollen?

Dieser Impfstoff wird wahrscheinlich rascher als die mRNA-Impfstoffe zu einem günstigen Preis in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen verfügbar werden. Astra-Zeneca hat mit der Bill & Melinda Gates Stiftung und der Global Alliance for Vaccines and Immunizations zusammen mit dem Serum Institute of India entsprechende Verträge abgeschlossen. Das ist natürlich auch eine gute Nachricht. Auch die Aussage, dass der Impfstoff von Älteren sehr gut vertragen wird, lässt hoffen. Jetzt müssen aber erst einmal die Daten genauer analysiert werden, ob bei den Älteren auch ein statistisch haltbarer Schutz gegen schwere Erkrankung erzielt wurde. Erfreulich ist natürlich für uns, dass die EU nun für mehrere erfolgreiche Impfstoffe Lieferabkommen abgeschlossen hat.

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Ein Impfstoff außer Konkurrenz

Professor Stefan H.E. Kaufmann ist Gründungsdirektor des Max-Planck-Instituts für Infektionsbiologie in Berlin, wo er bis 2019 die Abteilung Immunologie leitete. Seitdem ist er Direktor Emeritus und leitet eine Gruppe zur Systemimmunologie am Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie in Göttingen. Seit gut 40 Jahren arbeitet er über die Tuberkulose. Neben seinen Grundlagenarbeiten zur Immunantwort gegen Tuberkulose und andere Infektionskrankheiten hat er einen Impfstoff gegen Tuberkulose entwickelt. Die Vakzine mit der Bezeichnung VPM1002 beruht auf dem zugelassenen Impfstoff Bacille-Calmette-Guérin (BCG), den seine Gruppe durch genetische Modifikation verbessert hat. Der Impfstoff hat bereits Phase-III-Studien in Indien und in Subsahara-Afrika erreicht. Derzeit laufen mit VPM1002 Studien gegen Covid-19 in Deutschland, Indien und Kanada, ebenso wie Studien mit BCG. Sie sollen zeigen, ob man damit das Immunsystem indirekt stärken und einen heterologen Schutz gegen Sars-CoV-2 erreichen kann. Man weiß, dass BCG einen Schutz gegen Grippe in Älteren bieten kann. Kaufmann sieht den Tuberkulose-Impfstoff als Chance, sich mit einer etablierten, zugelassenen Vakzine für künftige Pandemien zu rüsten. F.A.Z.

Quelle: F.A.Z.
Joachim Müller-Jung- Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Joachim Müller-Jung
Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.
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