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Stirbt jedes siebte Covid-19-Opfer am Feinstaub in der Luft?

Von Joachim Müller-Jung
Aktualisiert am 27.10.2020
 - 08:16
Kohle und Pandemie – eine gefährliche Mischung, die von  einer Demonstrantin für Fridays for Future in Hamburg präsentiert wurde.
Schlechte Luft ist der Komplize von Sars-CoV-2: Wissenschaftler haben ausgerechnet, wo in der Welt die Abgas-Partikel das Zerstörungswerk des Erregers im Körper beschleunigen.

Der Verdacht besteht schon länger: Ist verschmutzte Luft der schreckliche Komplize des Pandemievirus? Verantwortlich für Abertausende zusätzliche Opfer der Seuche? Schon während der ersten Welle der Pandemie waren in Veröffentlichungen aus China und Italien insbesondere Feinstaubmessungen mit dem Aufkommen schwerer und tödlicher Verläufe der für Covid-19 typischen „untypischen Lungenkrankheit“ in Zusammenhang gebracht worden. Die These lautete: Wessen Lunge durch die chronische Belastung mit winzigen Feinstaubpartikeln vorbelastet ist, also vielerlei Entzündungen aufweist, geht stark geschwächt in den Kampf gegen das neue Coronavirus. In neuen Publikationen aus deutschen Instituten wird nun vorgerechnet, dass fünfzehn Prozent der Corona-Opfer weltweit – jeder siebte Covid-19-Tote – auf das Konto der Luftschadstoffe gehen könnten.

Die betreffenden Feinstaubpartikeln, vor allem die unsichtbaren und kleinsten unter 2,5 Mikrometer großen Teilchen, die aus Abrieb im Verkehr und modernen Verbrennungsanlagen – Kohlekraftwerke, Motoren, aber auch aus Kaminen – freigesetzt werden, sind als Auslöser folgenschwerer Entzündungen schon seit Jahrzehnten bekannt. In der Liste der Auslöser für vorzeitige Todesfälle rangieren sie bei der Weltgesundheitsorganisation und bei vielen nationalen Umweltbehörden auf den vordersten Plätzen. Lungenentzündungen, Herz- und Hirninfarkte, Asthma und Organversagen – das klingt ganz ähnlich wie die Komplikationen, die sich bei einem schweren Covid-19-Verlauf einstellen können.

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Quelle: F.A.Z.
Joachim Müller-Jung- Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Joachim Müller-Jung
Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.
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