Tödliche Wahl

Der Wahlkampf in Amerika schlägt aufs Herz

EIN KOMMENTAR Von Nicola von Lutterotti
Aktualisiert am 16.10.2020
 - 13:34
Donald Trump, Präsident der USA, spricht auf einer Wahlkampfveranstaltung auf dem Des Moines International Airport in Iowa.
Die anstehende Präsidentschaftswahl in Amerika ist lebensbedrohlich. Die Anzahl der Herzinfarkte und Schlaganfälle werden wohl wieder ansteigen, so wie vor vier Jahren. Dabei ist es um die Gesundheit der Amerikaner ohnehin nicht gut gestellt.

Die amerikanischen Krankenhäuser müssen sich rüsten. Anders als man meinen möchte, hängt dies ausnahmsweise einmal nicht, oder höchstens am Rande, mit Covid-19 zusammen. Und auch die Grippe dürfte die Hospitäler diesseits und jenseits des Atlantiks noch nicht so bald an ihre Grenzen bringen. Anlass zur Sorge geben vielmehr die demnächst stattfindenden Präsidentschaftswahlen. Jene vor vier Jahren setzte nämlich offenbar vielen Amerikanern gehörig zu.

Die Daten von rund drei Millionen Mitgliedern einer großen kalifornischen Krankenversicherung zeigen: Vor den Präsidentschaftswahlen mussten statistisch jeden Tag rund 354 Personen pro 100.000 Einwohner wegen Herzinfarkten oder Schlaganfällen im Krankenhaus behandelt werden. Unmittelbar nach der Wahl hatte die Erkrankungsrate 573 pro 100.000 betragen, war also innerhalb kurzer Zeit um sechzig Prozent hochgeschnellt.

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Ob der Wahlausgang dabei den Ausschlag gegeben hat, lässt sich zwar nicht beantworten. Ganz abwegig ist es aber nicht. Jähe Gefäßverschlüsse im Herzen und im Gehirn werden normalerweise durch starke körperliche oder extreme seelische Belastung ausgelöst. Vielleicht also haben einige den Ausgang der Wahl zu frenetisch gefeiert. Wahrscheinlicher ist, dass die Herz-Kreislauf-Attacken auf eine andere Art von Stress zurückgingen: auf die Angst vor der Zukunft unter der Ägide eines Präsidenten, der sowohl in der Realität als auch im übertragenen Sinne Mauern baut, das Volk also nicht eint, sondern vielmehr spaltet. Wenn das so ist, steht zu befürchten, dass der diesjährige Urnengang den Amerikanern noch mehr aufs Herz schlägt.

Denn seit 2016 hat sich die Kluft zwischen den dortigen politischen Lagern zunehmend vergrößert. Erschwerend hinzu kommt, dass es um die Gesundheit der Amerikaner generell nicht gut bestellt ist. Während die Lebenserwartung der Einwohner anderer Industrienationen nach wie vor ansteigt, nimmt sie in den Vereinigten Staaten seit etwa sechs Jahren ab. So kann es dann ja wohl nicht weitergehen.

Quelle: F.A.Z.
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