FAZ plus ArtikelSeuchenzug

Der Schwarze Tod war nicht die erste Pestepidemie, vielleicht aber ihr Meister

Von Sonja Kastilan
19.06.2022
, 12:42
Dr. Schnabel, Pestarzt
Der Schwarze Tod scheint aus Zentralasien zu stammen, und mit dieser Entdeckung lassen sich weitere Rätsel lösen: Was wir von längst vergangenen Epidemien lernen können.
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Madagaskar ist berüchtigt für neue Pestausbrüche. Dort hat die Seuche gegen Ende des 19. Jahrhunderts ihren Einzug gehalten und sorgt bis heute Jahr um Jahr für neue Todesmeldungen. Für diese Insel, Afrika, Süd- sowie Nordamerika ist es eine recht junge, nach wie vor bestehende Plage – entwickelt hat sie sich einst jedoch in Eurasien. Im späten Mittelalter grassierte hier der sogenannte Schwarze Tod. In weniger als einem Jahrzehnt sollen ihm 50 Millionen Menschen zum Opfer gefallen sein; ganze Landstriche wurden entvölkert, die Stadt London verlor schätzungsweise die Hälfte ihrer Bewohner. Wer ihn auf welchem Wege nach Europa brachte, ist bekannt: Im Herbst 1347 legte der Tod im Hafen von Messina an. Genuesen, die ihre Festung auf der Halbinsel Krim aufgeben mussten, hatten die Pest an Bord, verfrachteten sie aus den Siedlungsgebieten der „Goldenen Horde“ am Schwarzen Meer nun an die Mittelmeerküsten – zu uns.

Bedeutende Seehäfen wie Neapel, Pisa, Marseille und Florenz waren die nächsten Einfallstore, auf Handelswegen ging es dann flussaufwärts und über Land. 1349 griff die Pest den deutschen Raum aus mehreren Richtungen an. Viren oder wie in diesem Fall eben Bakterien waren damals als Auslöser unbekannt, stattdessen verdächtigte man ungünstige Planetenkonstellationen, giftige Dünste, die sogenannten Miasmen, Teufelswerk oder Gotteszorn. Historiker und Epidemiologen stritten mit Mikrobiologen lange über die tatsächliche Ursache, doch seit gut einem Jahrzehnt steht diese fest: Yersinia pestis ließ sich an mehreren Fundstellen, sprich Friedhöfen mit typischen Gräbern, in Europa nachweisen, darunter die Städte Augsburg, Parma und London. Es war den Paläogenetikern endlich gelungen, die verräterischen bakteriellen Gene aus den Überresten der Opfer verschiedener Ausbrüche zu isolieren. Zweifellos handelte es sich beim Schwarzen Tod demnach um Yersinia, aber wo hatte diese schnell tötende Seuche, die ihre Opfer am ganzen Körper mit auffälligen schwarzen oder bläulichen Flecken überzieht, ihren Anfang genommen?

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Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Kastilan, Sonja
Sonja Kastilan
Redakteurin im Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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