FAZ plus ArtikelMediterrane Problemzonen

Warum der gesamte Mittelmeerraum unter Stress steht

Von Rebecca Hahn
30.07.2022
, 18:56
Plastik statt Sand an einem Strand des Distrikts Keserwan nördlich der Hauptstadt Beirut im Libanon
Quallenplagen und Plastikmüll sind nur die augenfälligsten Symptome dafür, wie es um das Mittelmeer bestellt ist. Mit der Klimaerwärmung drohen dem kleinen Ozean zwischen Europa und Afrika langfristige Gefahren.
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Saintes-Maries-de-la-Mer plant bereits die Kapitulation. Noch lockt die kleine Gemeinde im Süden der Camargue jedes Jahr viele Pilger und Touristen an. Die einen zieht es zu den Schreinen der Heiligen Maria Jakobäa und Maria Salome, die anderen nutzen das Küstenstädtchen als Ausgangspunkt für Ausflüge in die Sumpf- und Seenlandschaft der Camargue. Schon bald jedoch könnte Saintes-Maries dem Anstieg des Meeresspiegels zum Opfer fallen. „Es gibt konkrete Pläne und finanzielle Abschätzungen für den Fall, dass die Gemeinde in der näheren Zukunft aufgegeben werden muss“, erzählt Wolfgang Cramer vom Mediterranen Institut für Biodiversität und Ökologie (IMBE) in Aix-en-Provence. An anderen, unbesiedelten Küstenstreifen der Camargue würden schon heute Deiche entfernt, um der Natur ihren Lauf zu lassen.

Nicht nur in Saintes-Maries sieht man sich mit drastischen Umweltveränderungen konfrontiert. Der gesamte Mittelmeerraum steht unter Stress. Neben der Klimaerwärmung und dem dadurch steigenden Meeresspiegel krempeln noch weitere Faktoren die mediterrane Umwelt in erheblicher Geschwindigkeit um. Dabei reicht der menschliche Einfluss in dieser Region weit zurück: Die nördlichen und östlichen Küsten des Mittelmeeres wurden schon vor 75 000 bis 30 000 Jahren von Neandertalern besiedelt, vor ungefähr 40 000 Jahren ließ sich auch Homo sapiens hier nieder. Seit der Antike dürfte die zunehmende menschliche Besiedelung zu einem massiven Einflussfaktor geworden sein, schreiben Mathias Hafner und Rüdiger Rudolf von der Hochschule Mannheim, Autoren des Buchs „Mittelmeerleben“, in einem Beitrag für die Geographische Rundschau. „Wandel ist für uns als Biologen das Normale“, sagt Hafner. „Durch den Druck, den wir Menschen zusätzlich erzeugen, haben wir es aber gerade mit einem zu schnell verlaufenden Wandel zu tun, der das System teilweise überfordert.“

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Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Hahn, Rebecca
Rebecca Hahn
Freie Autorin in der Wissenschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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