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„Die Kompetenzen haben wir“

Deutschland soll bis 2015 den Mond erobern

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So könnte das Mondlandefahrzeug aussehen: Computergenerierte Studie von EADS Astriumzur Bildergalerie

Deutschland soll nach dem Willen der CDU in Kürze den Mond erobern. Der Luft- und Raumfahrtkoordinator der Bundesregierung, Wirtschaftsstaatssekretär Peter Hintze, sprach sich am Mittwoch für eine unbemannte Landung auf dem Erdtrabanten bis zum Jahr 2015 aus. Er setze sich für eine „nationale Mondmission“ ein, entweder allein oder im Rahmen der Europäischen Weltraumbehörde (ESA), sagte Hintze und fügte hinzu: „Alle wichtigen Weltraumnationen zielen auf den Mond.“ Die Kosten bezifferte er auf 1,5 Milliarden Euro.

Über diese Frage werde allerdings die neue Bundesregierung entscheiden müssen, räumte der frühere CDU-Generalsekretär ein, der einen derartigen Vorstoß zuvor schon einmal unternommen hatte. Erst im Sommer vergangenen Jahres hatte das Wirtschaftsministerium jedoch weit gediehene Pläne für eine Mondmission vom Jahr 2012 an aus Sparzwängen fallengelassen. Damals waren die Kosten für eine andere Mondmission (Mondsatellit „Leo“) auf etwa 350 Millionen Euro beziffert worden.

„Wo kommen wir her, wo gehen wir hin?“

Im ZDF hatte Hintze gesagt, ein solches Vorhaben könne der Wirtschaft etwa im Hinblick auf die Entwicklung neuer Technologien positive Impulse geben. Damit würde es zur Schaffung neuer Arbeitsplätze beitragen. Die Projektkosten wären damit „gut investiertes Geld“. Zugleich räumte er ein: „Im Moment gibt es die Finanzen dafür noch nicht.“

Dass sich Deutschland rund 40 Jahre nach der ersten Mondlandung mit einem solchen Vorhaben beschäftige, liege auch daran, dass die Raumfahrtnationen generell den Mond als Forschungsobjekt wiederentdeckt hätten, sagte Hintze. „Der Mond ist das Archiv unseres Sonnensystems.“ Die Weltraumforschung könne Antworten über die Frage liefern: „Wo kommen wir her, wo gehen wir hin?“

Bei der Opposition kam der Vorschlag nicht gut an. Unter der Überschrift „Peterchens Mondfahrt“ erklärte die stellvertretende Vorsitzende der Linkspartei, Gesine Lötzsch, in einer Pressemitteilung: „Die Bundesregierung verliert jede haushaltspolitische Glaubwürdigkeit, wenn sie in Anbetracht dramatischer Steuereinbrüche immer neue Milliardenprogramme ankündigt.“ Das Mond-Projekt sei nicht nur unter finanziellen Gesichtspunkten eine Schnapsidee.

Der Mond ist „wissenschaftlich hochinteressant“

Wissenschaftler zeigten sich wiederum von der Machbarkeit überzeugt. Wenn der politische Wille und die finanziellen Mittel da seien, könnte 2015 die erste deutsche Mondmission starten. „Die robotischen Kompetenzen haben wir“, sagte der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), Johann-Dietrich Wörner. Es wäre die erste Mondlandung seit fast 40 Jahren. Zunächst würde nur ein ferngesteuertes Fahrzeug ohne Besatzung eingesetzt. Die Mission könnte laut DLR eine Vorstufe für weitere bemannte Missionen sein.

Zuletzt landeten laut DLR die Russen 1976 mit „Luna 24“ auf dem Mond. In den Jahrzehnten danach kreisten einige Sonden um den Erdtrabanten, ohne jedoch zu landen. Das für eine Landung angepeilte Jahr 2015 hielt Wörner für realistisch. Sogar eine frühere Realisierung sei denkbar.

In den vergangenen Jahren kreisten laut Wörner japanische, indische, chinesische und amerikanische Sonden um den Mond. „Der Mond ist für uns wissenschaftlich hochinteressant, da er zahlreiche Geheimnisse birgt“, erklärte Wörner. Mit einem solchen Projekt könne man in Deutschland „hochinnovative Arbeitsplätze“ erhalten und schaffen, die Technologieentwicklung vorantreiben und sich im internationalen Raumfahrtgeschehen hervorragend positionieren. Laut DLR hängen in Deutschland rund 6.000 Arbeitsplätze direkt mit Raumfahrt zusammen, 60.000 indirekt.

Am Donnerstag Gespräche mit NASA-Verantwortlichen

Die Mondmission bringe direkten Nutzen wie Erd- oder Klimabeobachtung oder für die Navigation, sagte Wörner. Darüber hinaus bringe sie Erkenntnisse über die Entwicklung der Erde. „Der Mond ist wie das Archiv der Erde“, sagte Wörner. Er sei vermutlich nach einer Kollision der Erde mit einem anderen Himmelskörper entstanden. Anders als die Erde sei der Mond jedoch kaum aktiv, es gebe keine Flora und Fauna. So ließen sich über die Erde neue Erkenntnisse gewinnen.

Am Donnerstag will Wörner Gespräche mit Verantwortlichen bei der NASA in Washington über eine mögliche Kooperation führen. Es gebe Möglichkeiten, sich gegenseitig zu ergänzen. Die Mission sei deutsch, man werde sich aber mit den internationalen Partnern abstimmen, um Dopplungen in Forschungsprojekten zu vermeiden.

Quelle: FAZ.NET
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