Baumforschung

Der Methusalem unter den Baobabs

Von Diemut Klärner
13.04.2015
, 08:00
Besonders dicke Baobabstämme sind innen hohl. Sie bestehen offenkundig aus einem Ring von zusammengewachsenen Stämmen.

Der Baobab, auch Affenbrotbaum genannt, ist mit seinem grotesk dicken Stamm die prägnanteste Baumgestalt in Afrikas tropischen Savannen. Alte Stämme des Afrikanischen Baobabs (Adansonia digitata) sind innen oft hohl. Anders als bei Linden oder Eichen sind diese Baumhöhlen aber nicht immer das Werk von destruktiven Pilzen, Mensch oder Tier. Große Hohlräume werden oft von mehreren Baobabstämmen gebildet, die ringförmig zusammengewachsen sind. Das berichtet Adrian Patrut von der Babeş-Bolyai Universität in Cluj-Napoca, Rumänien, in der Online-Zeitschrift „PlosOne“. Gemeinsam mit Kollegen aus Südafrika und den Vereinigten Staaten erkundete er das Alter besonders stattlicher Baobabexemplare, indem er mit einem speziellen Bohrer kleine Proben aus dem Holz holte. Direkt unter der äußeren Rinde sollten die jüngsten Jahresringe sitzen, ganz innen die ältesten.

Da Baobabs keine deutlichen Jahresringe ausbilden, diente das Radiokarbon-Verfahren zur Datierung. Ein Prachtexemplar aus Moçambique mit 21 Metern Stammumfang lieferte jedoch ein unerwartetes Ergebnis: Auch wenn der Bohrer im inneren Hohlraum angesetzt wurde, fand sich das jüngste Holz am Anfang statt am Ende des Bohrkerns. Ringsum genommene Holzproben zeigten schließlich, dass aus der Baumwurzel nach und nach fünf Stämme emporgesprossen sind, einer davon ist nun etwa 1400 Jahre alt. Vor 800 bis 900 Jahren miteinander verwachsen, bilden alle fünf gemeinsam eine spektakuläre Baumhöhle, 7,80 Meter hoch und bis zu 2,90 Meter breit.

Mittlerweile haben die Forscher mehr als fünfzig Afrikanische Baobabs mit ähnlich entstandenen Hohlräumen entdeckt. Rekordhalter unter den bisher datierten Bäumen ist ein namibischer Baobab. Er ist etwa 1750 Jahre alt und hat einen Stammumfang von 35 Metern.

Quelle: F.A.Z.
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