Mimivirus

Ein stattliches Virus nach Art der Bakterien

19.10.2004
, 17:08
Auf Organismen, die zwischen den klassischen Viren und den aus Zellen aufgebauten Lebewesen stehen, sind Forscher aus Marseille gestoßen. Die als Mimivirus bezeichnete Neuentdeckung besitzt einzigartige Eigenschaften.
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Auf Organismen, die zwischen den klassischen Viren und den aus Zellen aufgebauten Lebewesen stehen, sind Forscher aus Marseille gestoßen. Das Genom der als Mimivirus bezeichneten Neuentdeckung ist mit rund 1,2 Millionen Basenpaaren deutlich größer als das der besonders großen Pockenviren und sogar etwas größer als das mancher Bakterien. Dies berichten die Wissenschaftler um Didier Raoult von der Universite de la Mediterranee in "Science Express".

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Das in Amöben gefundene Mimivirus besitzt einzigartige Eigenschaften, die die bislang eindeutig gezogene Grenze zwischen Viren und Bakterien verwischt. Zwar ist es nicht völlig selbständig zur Proteinsynthese fähig, besitzt aber so viele Komponenten des Übersetzungsapparates wie kein anderes Virus. Nur Ribosomen vermag es nicht selbst herzustellen und ist wie die klassischen Viren auf Anleihen bei seinem Wirt angewiesen.

Auffallend gut vermag es auch Fehler an seinem Genom auszubessern. Ansatzweise besitzt das Mimivirus sogar einen eigenen Stoffwechsel, denn es kann Zuckerpolymere herstellen. Es vermag jedoch nicht aus eigener Kraft seinen Energiebedarf zu decken und wird vor allem aus diesem Grund den Viren und nicht den Bakterien zugeordnet. Die besonderen Eigenschaften des Mimivirus unterstützen nach Ansicht der Wissenschaftler die Vorstellung, daß sich zelluläre Organismen aus immer autarker werdenden Viren entwickelt haben.

Quelle: bh. / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20. Oktober 2004
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