Gentechnik

Wilde und transgene Lachse sind Paarungsrivalen

Von Esther Lilienweiss
15.08.2011
, 06:00
Einjährige Lachse in Gefangenschaft
Gentechnisch veränderte Lachse sind für wilde Artgenossen ernstzunehmende Konkurrenten, wenn es um die Fortpflanzung geht. Sie schaffen es durchaus, in Anwesenheit von Wildtypen Nachkommen zu zeugen, wie ein Experiment zeigte.

Gentechnisch veränderte Lachse können sich auch in freier Wildbahn vermehren. Das zeigen die Ergebnisse einer Studie in den „Evolutionary Applications“ über das Fortpflanzungsverhalten männlicher Atlantischer Lachse (Salmo salar), die mit einem Gen ausgestattet sind, dass sie ungewöhnlich schnell wachsen lässt.

Eine Forschergruppe um Darek Moreau vom Ocean Sciences Center der Memorial University Neufundland simulierte in speziellen Becken den Konkurrenzkampf um laichende Weibchen zwischen dem „Gen-Lachs“ und genetisch unveränderten Artgenossen. Diese sind sowohl als farbenprächtige Rückkehrer aus dem Meer sowie als kleinere Junglachse fortpflanzungsfähig. Zwar waren die Wildtypen in beiden Stadien des Lebenszyklus in ihrem Fortpflanzungsverhalten erfolgreicher.

Auch als Lebensmittel stößt der transgene Lachs auf Misstrauen

Dennoch sind ihre transgenen Artgenossen ernstzunehmende Konkurrenten. Das zeigten Videoaufzeichnungen des Paarungsverhaltens und genetische Analysen der Nachkommenschaft der Junglachse. Die Forscher belegen damit, dass das Fortpflanzungsverhalten des gentechnisch veränderten Lachses ausreichend effizient ist, um zu einer Befruchtung des Laiches zu führen. Das nährt die Befürchtungen insbesondere von Umweltschutzorganisationen, transgenes Material könne in den natürlichen Genpool gelangen.

Befürworter von gentechnisch veränderten Lebensmitteln konnten in der Diskussion um den Lachs noch Ende vergangenen Jahres auf einen Erfolg hoffen. Im September hatte die amerikanische Lebensmittelbehörde FDA den transgenen Lachs „Aquadvantage“ der Firma AquaBounty als unbedenklich für den Verzehr eingestuft. Allerdings nahm die Auseinandersetzung jetzt eine unerwartete Wende. Im letzten Juni sprachen sich die Abgeordneten des amerikanischen Repräsentantenhauses mehrheitlich dafür aus, der FDA die Freigabe des umstrittenen Lachses als Lebensmittel zu verbieten.

Quelle: F.A.Z.
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