Nano-Zellulose aus dem Outback

Wüstenkondome

Von Hildegard Kaulen
18.03.2016
, 09:33
Bald könnten noch dünnere und reißfestere Kondome auf den Markt kommen – mit Unterstützung der australischen Ureinwohner.

Australische Wissenschaftler sind davon überzeugt, dass sie mit der Unterstützung durch Ureinwohner bald schon in großen Mengen Kondome und Latexhandschuhe herstellen können, die so dünn sind wie ein menschliches Haar und die dabei genauso robust und reißfest sind wie die bisherigen Produkte - wenn nicht sogar besser. Ihr Geheimnis: Eine Mischung aus Latex und Nanozellulose.

Als Nanozellulose bezeichnet man kleinste Fibrillen und Kristalle aus Zellulose, die in Holz und Pflanzenfasern vorkommt. Die für diese „Nano-Kondome“ verwendete Nanozellulose stammt aus dem australischen Gras Spinifex, einer Pflanzengattung, die zur Familie der Süßgräser gehört. Dieses derbe Gewächs ist in den trockensten und ungastlichsten Gegenden Australiens zu Hause. Die australischen Ureinwohner befestigen mit dem Harz dieser Pflanze seit jeher ihre Pfeilspitzen an den Stöcken.

Darren Martin und seine Kollegen von der Universität Queensland haben entdeckt, dass Kondome durch den Zusatz der Spinifex-Nanozellulose noch dünner und geschmeidiger werden und dabei auch noch dehn- und belastbarer sind als herkömmliche Kondome. „Mit einigen Anpassungen sollte es möglich sein, die Kondome dreißig Prozent dünner zu machen und trotzdem alle Standards zu erfüllen“, schreibt Martin in einer Mitteilung der Universität Queensland.

Das kommerzielle Potential soll nun zusammen mit den australischen Ureinwohnern, den Aborigines, ausgelotet werden. Dabei ist vor allem auch an einen kommerziellen Anbau gedacht, denn die Forscher erwarten ein großes Interesse an dem neuen Material. Ultradünne Kondome könnten durch ihre größere Akzeptanz dafür sorgen, dass sich Aids und Geschlechtskrankheiten weniger ausbreiten.

Dünnere Latexhandschuhe sind für die Chirurgie interessant, weil sie dem Operateur mehr Feingefühl geben und die Hände während der langen Prozeduren nicht so müde machen. Gewonnen wird die Nanozellulose aus dem kleingeschnittenen und mit Natronlauge zersetzten Gras. Die Mischung wird dann durch ein enges Loch gepresst, so dass die winzigen Nanozellulose-Fibrillen frei werden. Diese werden dann unter das Latex gemischt. Die Wissenschaftler wollen im Laufe des Jahres Details zum Herstellungsprozess veröffentlichen. Der Patentschutz geht vor - auch im Sinne der Aborigines.

Quelle: F.A.Z.
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