FAZ plus ArtikelQuantenkryptographie

Schlechte Karten für Lauscher

Von Manfred Lindinger
10.02.2021
, 18:58
Eine neue Ära für das Internet: In China werden abhörsichere Quantencodes bereits per Glasfaser und Satellit über große Distanzen verschickt. Nun zieht Europa nach und will ebenfalls seine kritische Infrastruktur besser schützen.

Lahmgelegte Rechenzentren und Krankenhäuser, gestohlene Kundendaten, geplünderte Bankkonten, abgehörte Telefongespräche, abgefangene E-Mails – im Zeitalter der Digitalisierung blüht die Cyberkriminalität. Kaum ein Unternehmen und ein Ministerium, das auch hierzulande im Zuge eines Hackerangriffs nicht den Verlust vertraulicher Daten zu beklagen hatte. Sogar der Deutsche Bundestag war 2015 Ziel einer Attacke gewesen. Zwar werden sensible Informationen in den meisten Fällen verschlüsselt weitergegeben. Die gebräuchlichen Chiffrierverfahren gelten aber nur deshalb als sicher, weil es einer großen Rechenleistung bedarf, die komplexen Algorithmen, auf denen sie beruhen, zu lösen und den Code zu knacken. Was noch einen Hobby-Hacker abschrecken mag, stellt für professionelle Lauscher von Geheimdiensten oder Sicherheitsbehörden, die mit reichlich Computerpower ausgestattet sind, längst keine wirkliche Hürde dar. In vielen Ländern überdenken private und staatliche Einrichtungen deshalb schon länger ihre Sicherheitskonzepte. Und so wird der Ruf nach mehr Sicherheit bei der Datenverschlüsselung auch hierzulande immer lauter.

Im Osten Chinas hat ein „Lauschangriff“ dagegen mittlerweile schlechte Chancen, unentdeckt zu bleiben. Dort ist in den vergangenen Jahren zwischen Peking, Jinan, Hefei und Schanghai ein Kommunikationsnetzwerk aufgebaut worden, das zum Verschlüsseln vertraulicher Daten eine Technik verwendet, die unter Experten als absolut sicher gilt: die Quantenkryptographie. Werden quantenverschlüsselte Nachrichten etwa in einer zufälligen Abfolge von einzelnen Lichtquanten codiert, so wird ein Spion schnell enttarnt. Photonen erhalten wie alle Quantenobjekte nämlich ihre Eigenschaften erst dann, wenn man sie beobachtet, also einer Messung unterwirft. Weil jeder Lauschangriff eine Messung darstellt, verändert er auch merklich die Bitfolge des Quantencodes, was Sender und Empfänger sofort bemerken. Der Lauschangriff fliegt auf. Die Kommunikationsteilnehmer generieren in diesem Fall sofort einen neuen Quantenschlüssel. Erst wenn dieser auf beiden Seiten perfekt übereinstimmt, wird die eigentliche Nachricht gesendet.

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Quelle: F.A.Z.
Manfred Lindinger - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Manfred Lindinger
Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.
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