FAZ plus ArtikelMathematik mit der Nadel

Gekrümmte Fäden in drei Dimensionen

Von Sibylle Anderl
25.12.2019
, 09:00
Gerade im Winter sind Handarbeiten beliebte Beschäftigungen. Kaum einer ahnt aber, wie viel Wissenschaft im Stricken und Häkeln stecken kann.

Handarbeiten sind gut für die Gesundheit, das haben in den vergangenen Jahren gleich mehrere Studien bestätigt: Stricken hilft etwa beim Umgang mit Kontrollstörungen, Depressionen und chronischem Schmerz, im Alter soll Stricken und Häkeln dem Abbau von Hirnfunktionen vorbeugen und Gedächtnisfunktionen stärken. Alltagsempirie kann hier noch weitere Gründe nennen: vor Weihnachten dienen Handarbeiten indirekt dem Stressabbau, wenn dadurch hektischer Geschenkekauf umgangen werden kann. Und so manche potentiell konfliktgeladene Familienzusammenkunft kann entspannter überstanden werden, wenn die emsig arbeitenden Finger den reizbaren Geist in den entscheidenden Momenten abzulenken vermögen.

Dass Handarbeiten auch wissenschaftlich höchst interessant sind, ist dagegen vergleichsweise unbekannt. Mittlerweile gibt es aber sogar Forschungsprojekte und Workshops auf Konferenzen, in denen sich Physiker und Mathematiker mit den Geheimnissen des Strickens auseinandersetzen. So konnte man beispielsweise beim diesjährigen Treffen der American Physical Society in Boston in einem Vortrag der Physikerin Elisabetta Matsumoto vom Georgia Institute of Technology in Atlanta einen Einblick in die „Knotentheorie des Strickens“ bekommen. Matsumoto forscht mit ihrer Arbeitsgruppe zur Geometrie und Topologie weicher Materialien. Ihr Interesse für das Stricken stammt noch aus ihrer Kindheit. Mittlerweile hat es sich mit ihrer Faszination für Mathematik und Physik gekreuzt. Nun sucht sie nach den mathematischen Grundlagen ihres Hobbies.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenbild/ Sybille Anderl
Sibylle Anderl
Redakteurin im Feuilleton.
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