Stockholm

Physik-Nobelpreis für Forscher aus Deutschland und Amerika

04.10.2005
, 18:24
Theodor Hänsch
Er ist der Lichtzauberer aus München: Theodor Hänsch bekommt den Nobelpreis für Physik. Die Auszeichnung teilt er sich mit John Hall und Roy Glauber. Seine Entdeckungen könnten die Kommunikation weltweit vereinfachen.
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Der Nobelpreis für Physik geht an den Deutschen Theodor Hänsch und die beiden Amerikaner John Hall und Roy Glauber. Alle drei forschen auf dem Gebiet der Optik und sie haben nach Ansicht der Schwedischen Akademie der Wissenschaften einen großen Beitrag zum besseren Verständnis dafür geleistet, was Licht eigentlich ist.

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Hall und Hänsch erhalten die eine Hälfte der Auszeichnung für ihre Beiträge zur Entwicklung „der auf Laser gegründeten Präzisionsspektroskopie, einschließlich der optischen Frequenzkammtechnik“, wie es an diesem Dienstag hieß.

Eleganter Laser-Trick

Mit Hilfe dieses Verfahrens lassen sich die ultraschnellen Schwingungen von Lichtwellen zählen. Der elegante Laser-Trick löst ein Jahrzehnte altes Problem der Physik und soll Atomuhren bis zu tausend Mal genauer gehen lassen als bislang.

Entspannt: Roy Glauber (links) mit Freunden
Entspannt: Roy Glauber (links) mit Freunden Bild: AP

Was man mit seinen Erkenntnissen praktisch in der Zukunft anfangen könnte, beschreibt Hänsch so: Die Früchte seiner Arbeit und der seiner Kollegen könnten einmal dazu verwendet werden, die Kommunikation weltweit und sogar über die Grenzen der Erde hinaus zu vereinfachen. Frequenzen für Radio, Handys und Datenübermittlung könnten präziser werden. „Es könnte einmal möglich sein, dreidimensionale holografische Spielfilme zu sehen“, sagt der Wissenschaftler.

Lob für den Standort Deutschland

Hänsch leitet das Max-Planck-Institut für Quantenoptik in Garching und ist Lehrstuhlinhaber für Experimentalphysik und Laserspektroskopie der Ludwig-Maximilians-Universität in München. „Ich war sprachlos und sehr, sehr glücklich. Jetzt versuch ich mich an den Gedanken zu gewöhnen“, sagte Hänsch. Die Auszeichnung zeige, „daß man auch in Deutschland sehr gut wissenschaftlich arbeiten kann“, sagte er inmitten seiner Studenten und wissenschaftlichen Kollegen der Münchner Universität. John Hall arbeitet unter anderem an der Universität von Colorado. Die von ihnen entwickelte und auf Laser gegründete Präzisionsspektroskopie erlaubt die Farbbestimmung des Lichts von Atomen und Molekülen mit äußerster Genauigkeit.

Die Arbeiten von Hall und Hänsch haben dazu geführt, daß Frequenzen jetzt mit einer Unsicherheit von nur einigen Millionsteln eines Milliardstels gemessen werden können, wie die Schwedische Akademie mitteilte. Die Frequenzkammtechnik ermöglicht beispielsweise Studien zur Beständigkeit von Naturkonstanten über die Zeit. „Unsere Entdeckungen werden wohl vor allem bei der Telekommunikation und bei der Navigation die weitestgehenden praktischen Auswirkungen haben“, sagte Hänsch.

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„Pionier und Türöffner“

Glauber, der an der Harvard Universität im US-Staat Massachusetts lehrt, erhält den Nobelpreis für seinen Beitrag zur quantenmechanischen Theorie der optischen Kohärenz, also für seine theoretische Beschreibung des Auftretens der Lichtteilchen. Diese Theorie lieferte den Unterbau für die Arbeit von Hänsch und Hall.

„Glauber war der Pionier und Türöffner“, urteilt Nobel-Juror Börje Johansson. „Er hat als erster begriffen, daß wir auch für das Licht eine komplette quantenmechanische Beschreibung brauchen. Hall und Hänsch haben das dann konsequent weitergeführt.“ Der Nobelpreis ist mit zehn Millionen Schwedischen Kronen dotiert.

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Träger des Bundesverdienstkreuzes

Hänsch wurde 1941 geboren und promovierte 1969 in Heidelberg. Anschließend ging er in die USA an die Stanford Universität in Kalifornien, wo er 1975 Full Professor wurde. Immer wieder hat der Forscher im Ausland als Gastprofessor unterrichtet, unter anderem in Frankreich, Japan, in den USA und in Italien. Hänsch gilt als einer der renommiertesten Physiker weltweit und wurde in seiner Karriere mit Preisen überhäuft: Erst in diesem Jahr bekam er den Otto-Hahn-Preis für Chemie und Physik. Außerdem erhielt er unter anderem die Auszeichnung California Scientist of the Year (1973), den Gottfried Wilhelm Leibniz Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (1988) und die Stern Gerlach Medaille der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (2000). Zudem ist er Träger des Bundesverdienstkreuzes.

Als letzter Deutscher hatte Wolfgang Ketterle im Jahr 2001 den Physik-Nobelpreis erhalten. Er wurde für die Erschaffung des Bose-Einstein-Kondensats ausgezeichnet, der fünften Erscheinungsform der Materie neben fest, flüssig, gasförmig und dem Plasma.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa, AP und AFP
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