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Der Impfstoff-Murks aus Moskau

EIN KOMMENTAR Von Joachim Müller-Jung
Aktualisiert am 11.08.2020
 - 16:46
In einem Labor in Sankt Petersburg.
Putin hat mit der Zulassung des weltweit ersten Corona-Impfstoffs vielleicht seinen Sputnik-Moment, doch Sektkorken knallen keine. Das rücksichtslose politische Manöver kann der Impfstoffentwicklung weltweit schaden.

Die Welt reibt sich die Augen, Putins politischer Corona-Impfstoff ist offenbar wirklich schon zugelassen. Mir nichts dir nichts und mehr oder weniger formlos, ungeprüft praktisch. Zulassung ist hier allerdings auch der falsche Begriff. Denn der russische Präsident hat bestimmt, und es so der russischen Agentur Interfax auch zu Protokoll gegeben, dass der in Moskau entwickelte Impfstoff „effektiv“ ist und eine „beständige Immunität“ gegen den Sars-CoV-2-Erreger bildet. Nichts davon ist belegt.

Klar ist nur: Der russische Präsident dreht Donald Trump jetzt eine lange Nase. Im Kreml wird man den Sputnik-Moment der Medizin-Geschichte auskosten. Und Trump? Der hat schon mehrmals Anfang November als Zulassungsdatum für den ersten amerikanischen Pandemie-Impfstoff angekündigt und hätte jetzt, im Moment einer vermeintlichen Niederlage, die Gelegenheit, sich auf die richtige Seite zu schlagen und sich mit wissenschaftlichen Argumenten gegen Putins gesundheitspolitische Anmaßung zu bewaffnen. Die Frage ist nur: Will er das, seriös bleiben? Was Putins angebliche Zulassung verspricht, die in Russland lediglich einer Registrierung für die Anwendung entspricht, ist jedenfalls nichts mehr als ein gigantisches Menschenexperiment.

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Quelle: F.A.Z.
Joachim Müller-Jung- Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Joachim Müller-Jung
Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.
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