Beteigeuze

Ein Stern wird dunkel

Von Sibylle Anderl
14.02.2020
, 16:11
Der prominente Stern Beteigeuze hat seit Ende vergangenen Jahres stark an Helligkeit eingebüßt. Neue Aufnahmen der Eso illustrieren die ungewöhnliche Veränderung.

Wie geht es eigentlich Orions Schulter? Diese Frage stellen sich Sternenfreunde derzeit immer wieder sobald sie in den winterlichen Nachthimmel schauen. Denn der Stern Beteigeuze, der als zweithellster Stern im Sternbild des Himmelsjägers dessen rechte Schulter markiert, hat seit Ende letzten Jahres immer weiter an Leuchtkraft verloren. Die Veränderung seitdem ist drastisch: nur noch 36 Prozent seiner ursprünglichen Helligkeit besitzt der mehr als 700 Lichtjahre entfernte Rote Überriese mittlerweile.

Die Helligkeitsabnahme erfährt auch deshalb so viel Beachtung, da ein möglicher Grund dafür sein könnte, dass der Stern vor seiner Explosion als Supernova steht – ein Ereignis, das für uns so hell am Nachthimmel sichtbar würde, dass es wie der Mond Schatten werfen würde. Wahrscheinlicher als diese spektakuläre Deutung erscheinen aber zwei andere Erklärungen, die nun durch neue Beobachtungen mit dem Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte Eso gestützt werden.

Wissenschaftler um den Astronomen Miguel Montargès von der belgischen KU Leuven haben Beteigeuze bei ursprünglicher Leuchtkraft im Januar vergangenen Jahres beobachtet und konnte diese Aufnahme nun mit weiteren Beobachtungen vergleichen, die sie seit Dezember 2019 gemacht haben. Dabei wird deutlich, dass sich nicht nur die Helligkeit sondern auch die scheinbare Form des Sterns geändert hat. Entweder könnte dies daher kommen, dass sich dessen Oberfläche im Zuge einer außergewöhnlichen Aktivität abgekühlt hat.

Alternativ könnte der Stern aber auch größere Mengen Staub ausgestoßen haben, der sich nun in der Sichtlinie zwischen Beteigeuze und uns befindet. Das Evolutionsstadium, in dem Beteigeuze sich befindet, ist zumindest dafür bekannt, dass es währenddessen zu einem starken Ausstoß von Staub in die Umgebung des Sterns kommt. Wenn Astronomen Staub direkt beobachten wollen, nutzen sie oft Infrarotstrahlung, die der Staub als thermische Strahlung emittiert. Eine Beobachtung bei diesen Wellenlängen, die von einer französischen Gruppe um Pierre Kervella vom Observatorium Paris gemacht wurde, zeigt die Staubschwaden, die Beteigeuze umgeben. Welche Erklärung für den Helligkeitsverlust auch immer stimmt, nicht nur für Hobbyastronomen bleibt der regelmäßige Blick auf die ungewöhnliche Entwicklung Beteigeuzes weiterhin spannend. „Natürlich ist unser Wissen über die Roten Überriesen noch unvollständig, und dies ist noch Gegenstand intensiver Forschung, so dass es noch zu Überraschungen kommen kann“, so Miguel Montargès.

Quelle: FAZ.NET
Autorenbild/ Sybille Anderl
Sibylle Anderl
Redakteurin im Feuilleton.
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