Bemannte Raumfahrt

China beginnt mit dem Aufbau seiner Raumstation

29.04.2021
, 10:55
Eine Trägerraket von Typ „Langer Marsch 5B-Y2e“ startet vom Weltraumbahnhof
Wenchuan ins All. An Bord ist das Basismodul der Raumstation „Tiangong“.
Chinas Traum von einer eigenen bemannten Weltraumstation wird Wirklichkeit. Heute Morgen ist das erste Modul mit einer Trägerrakete vom Typ „Langer Marsch“ gestartet.
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China hat mit dem Bau seiner eigenen bemannten Weltraumstation begonnen. Eine Rakete vom Typ „Langer Marsch 5B“ ist am Donnerstagmorgen mit dem Kernmodul der Raumstation vom Raumfahrtbahnhof Wenchang auf der südchinesischen Insel Hainan gestartet. Das 22 Tonnen schwere Modul „Tianhe“ (Himmlische Harmonie) wird den Hauptteil der Raumstation bilden, die bereits im kommenden Jahr fertig gestellt sein könnte.

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Zehn Minuten nach dem Start trennte sich das Modul erfolgreich von der Rakete, was lauten Applaus im Kontrollzentrum auslöste. Wenig später erreichte „Tianhe“ auch seine vorbestimmte Umlaufbahn, wie chinesische Staatsmedien berichteten. Chinas Premier Li Keqiang verfolgte den Start vom Raumfahrtzentrum in Peking aus.

Mit dem Bau der Raumstation beginnt China das bisher größte Vorhaben seines ehrgeizigen Weltraumprogramms. Es gab bisher zwei kleinere Vorgänger: Das Raumlabor Tiangong 1 startete 2011 ins All und verglühte 2018 unkontrolliert in der Atmosphäre. Sein Nachfolger Tiangong 2 wurde 2016 auf den Weg gebracht. Zwei Raumfahrer wohnten und experimentierten dort 29 Tage lang. Im Juli 2019 ließ China Tiangong 2 nach fast drei Jahren kontrolliert verglühen.

Das erste Modul der chinesischen Raumstation.
Das erste Modul der chinesischen Raumstation. Bild: AP

„Tianhe“ ist 16,6 Meter lang hat einen Durchmesser von 4,2 Metern. Das Kernmodul sorgt für Strom und Antrieb, bietet Unterkünfte für drei Taikonauten, die bis zu sechs Monate an Bord bleiben können. Zwei weitere Teile für wissenschaftliche Experimente werden t-förmig angebaut. Drei Raumschiffe können gleichzeitig andocken.

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Im Mai könnte bereits das Cargo-Raumschiff „Tianzhou 2“ mit Treibstoff und Versorgungsgütern folgen. Auch bereiten sich derzeit drei Astronauten vor, an Bord von des Raumschiffs „Shenzhou 12“ möglicherweise im Juni zu „Tianhe“ zu fliegen. Die Bauphase erfordert einen gedrängten Flugplan: Insgesamt sind elf Flüge geplant – drei davon mit Modulen, vier Frachtmissionen und vier bemannte Raumflüge, wie das chinesische Raumfahrtprogramm mitteilte. Mit Tiangong 1 und Tiangong 2 hat sich die junge Raumfahrtnation auf das komplexe Vorhaben vorbereitet. Es wurden Rendezvous- und Auftankmanöver sowie Weltraumspaziergänge geübt.

Sollte die Internationale Raumstation ISS in den kommenden Jahren ihren Dienst einstellen – ihr Betrieb ist noch bis 2024 gesichert –, dann wäre China möglicherweise die einzige Nation, die eine Raumstation unterhält. Auch Russland plant eine eigene Raumstation, Der Aufbau soll aber erst frühestens 2025 beginnen.

Raumstationen im All – Außenposten der Menschheit

Sie ließen den Traum vom Leben im Weltall Wirklichkeit werden. Seit mehr als einem halben Jahrhundert sind Raumstationen dort Außenposten der Menschheit.

SALJUT: Im Rennen um die Vorherrschaft im All errichtet die Sowjetunion im April 1971 mit Saljut-1 die erste bemannte Raumstation der Geschichte, gut 200 Kilometer über der Erde. Letzte Station des Programms ist Saljut-7, die 1982 in den Orbit startet und 1991 beim Eintritt in die Erdatmosphäre verglüht.

SKYLAB: Die Antwort der USA lässt nicht lange auf sich warten: 1973 geht die einzige rein amerikanische Raumstation in Betrieb, das „Himmelslabor“ Skylab. Bei insgesamt drei Missionen beobachten jeweils drei Astronauten Sonne und Erde und führen medizinische und biologische Experimente durch, unter anderem zur Schwerelosigkeit. Die Station verglüht 1979.

MIR: Nach ihrem Start 1986 bleibt die russische Raumstation 15 Jahre lang das größte künstliche Objekt in der Umlaufbahn der Erde. Wurde Saljut-7 noch vollständig auf der Erde zusammengebaut, werden bei der Mir mehrere Module erst im Weltraum montiert. Unter russischer Führung wird die Station international für wissenschaftliche Zwecke genutzt. Nach mehr als 86.000 Erdumrundungen kommt es 2001 zum kontrollierten Absturz.

ISS: In 400 Kilometern Höhe kreist die Internationale Raumstation ISS in rund 90 Minuten einmal um die Erde. Ihr schrittweiser Aufbau hatte 1998 begonnen. Beteiligt sind neben den USA, Russland, Kanada und Japan die Mitgliedsstaaten der Europäischen Raumfahrtagentur Esa.

Quelle: mli./dpa
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