Erkundungsfahrzeug „Zhurong“

Chinas Mars-Rover gelandet

15.05.2021
, 05:07
Der Mars ist auf einer Aufnahme des Hubble-Weltraumteleskops aus dem Jahr 2016 zu sehen,
Erstmals ist einer chinesischen Marsmission die Landung auf dem Roten Planeten gelungen. Nun wird mit Spannung erwartet, ob das Fahrzeug seine Arbeit wie geplant aufnehmen beginnen kann.
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China ist erstmals eine Landung auf dem Mars gelungen. Das Landemodul des chinesischen Raumschiffes „Tianwen-1“ setzte am Samstagmorgen mit dem Rover „Zhurong“ an Bord auf der Oberfläche des Roten Planeten auf, wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua unter Berufung auf die Raumfahrtbehörde berichtete. „Tianwen-1“ war im vergangenen Juli von der Erde aufgebrochen und hatte im Februar die Mars-Umlaufbahn erreicht.

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Die chinesische Mission ist eine von drei Flügen zum Mars, die im vergangenen Sommer von der Erde gestartet waren. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate und die USA hatten damals Raketen Richtung Mars geschickt. Der amerikanische Rover „Perseverance“ war bereits im Februar gelandet.

Schwierige Mission

Bislang haben es nur die USA geschafft, auf dem Roten Planeten gelandete Erkundungs-Fahrzeuge auch zum Einsatz zu bringen. Der Sowjetunion gelang in den siebziger Jahren zwar eine Landung, verlor aber sofort den Kontakt zu der Sonde. Der Flug zum Roten Planeten und die Landung gelten als äußerst schwierig. Von vorausgegangenen Landeversuchen waren nur etwa die Hälfte erfolgreich.

In einer Ausstellung in Peking steht ein Modell von „Zhurong“ in Originalgröße.
In einer Ausstellung in Peking steht ein Modell von „Zhurong“ in Originalgröße. Bild: Ng Han Guan/AP

Läuft nun alles nach Plan, soll der nach dem chinesischen Feuergott benannte Rover „Zhurong“, der in der Region Utopia Planitia aufsetzte, erwachen und mindestens drei Monate lang arbeiten und Untersuchungen durchführen.

Der Rover wiegt etwa 240 Kilogramm. Er hat sechs Räder und vier Sonnenkollektoren und kann sich auf der Marsoberfläche mit 200 Metern pro Stunde bewegen. Der Rover trägt wissenschaftliche Instrumente mit sich, mit denen etwa Informationen über die Zusammensetzung der Planetenoberfläche, die geologische Struktur und das Klima gesammelt werden sollen.

Der lange Marsch der Volksrepublik in der Raumfahrt

Gleich bei seiner erstem Mars-Mission ist China die Landung eines Rovers auf dem Roten Planeten geglückt. Die Volksrepublik hat einen weiten Weg zurückgelegt, um den Rückstand auf die etablierten Raumfahrtnationen USA und Russland aufzuholen.

Eine Chronologie der chinesischen Raumfahrt von den Anfängen bis in die Zukunft:

  • 1957: Nach dem Start des sowjetischen Sputnik-1, des weltweit ersten Satelliten, verkündet Chinas KP-Chef Mao Zedong: „Auch wir werden Satelliten bauen.“
  • 1970: Dreizehn Jahre später bringt China seinen ersten Satelliten mit einer Rakete vom Typ Langer Marsch in die Umlaufbahn.
  • 2003: Im neuen Jahrtausend umrundet Yang Liwei als erster chinesischer Raumfahrer in einem 21-stündigen Flug an Bord der Kapsel Shenzou V 14 Mal die Erde. Wegen Zweifel am Gelingen der Mission des ersten Taikonauten stoppten die chinesischen Behörden in letzter Minute die Live-Übertragung. Seit diesem Meilenstein startete China fünf bemannte Missionen.
  • 2011: Weil China nicht an der Internationalen Raumstation ISS beteiligt wurde, versucht das Land, seine eigene Weltraumbasis zu bauen. Dazu bringt es das kleine Weltraummodul „Tiangong-1“ in eine Erdumlaufbahn. Es wird für das Training von Taikonauten und medizinische Experimente genutzt. Das Modul gerät jedoch 2016 außer Kontrolle und stürzt nach zwei Jahren ohne Funkkontakt 2018 im Südpazifik ab.
  • 2013: Das Mondgefährt „Yutu“ (Jadehase) erkundet die Mondoberfläche und sendet 31 Monate lang und damit deutlich länger als erwartet Signale.
  • 2016: Die zweite Weltraumstation, „Tiangong-2“, wird gebaut. Taikonauten, die die Station besuchen, bauen dort Reis und andere Pflanzen an.
  • 2017: Rückschlag für die chinesische Raumfahrt: Die Rakete Langer Marsch 5 Y2 kann nicht starten. Dadurch verschiebt sich auch der Start der Sonde „Chang’e 5“, die ursprünglich in der zweiten Jahreshälfte Mondproben sammeln sollte.
  • 2019: Die Sonde „Chang’e 4“ landet im Januar 2019 auf der Mondrückseite. Die schwierige Mission ist eine historische Premiere für die internationale Raumfahrt.
  • 2020: Ein weiterer Roboter landet im Dezember auf dem Mond, diesmal auf der erdzugewandten Seite, und hisst die chinesische Flagge. Das unbemannte Raumschiff, mit dem er die Reise angetreten hatte, kehrt im Dezember mit zwei Kilogramm Gestein und Erde vom Mond zur Erde zurück. Es sind die ersten Mondproben seit vier Jahrzehnten.
  • Februar 2021: Die erste chinesische Mars-Mission gelingt: Die Sonde Tianwen-1 sendet Bilder.
  • April 2021: Eine Trägerrakete vom Typ Langer Marsch bringt das erste Modul einer neuen chinesischen Raumstation ins All, die erneut den Namen „Tiangong“ (“Himmlischer Palast“) trägt. Um weitere Module der Raumstation auf die Erdumlaufbahn zu bringen und zu montieren, sind noch etwa ein Dutzend weitere Missionen geplant.
  • Mai 2021: Die Reste der Rakete, die das Raumstationsmodul ins All gebracht hat, stürzt unkontrolliert im Indischen Ozean ab. Da vorab ein Absturz in bewohntem Gebiet oder auf ein Schiff nicht gänzlich ausgeschlossen werden konnte, erntet China Kritik der US-Raumfahrtbehörde Nasa und von Raumfahrtexperten.
  • Kurz darauf bringt „Tianwen-1“ am Samstag den Rover „Zhurong“ auf den Mars. Das schwierige Landemanöver ist erfolgreich. In den kommenden drei Monaten soll „Zhurong“ die Mars-Atmosphäre erforschen, Bodenproben nehmen und Bilder machen.
  • 2022: Bis dahin soll Chinas Raumstation betriebsbereit sein. Geplant ist, dass sie in niedriger Erdumlaufbahn auf rund 400 bis 450 Kilometern Höhe verbleibt. Es wird mit einer Nutzungsdauer von etwa 15 Jahren gerechnet. Mit der Stilllegung der ISS, die nach 2024 erfolgen soll, könnte Chinas „Tiangong“ die einzige Raumstation in der Erdumlaufbahn werden.
  • 2029: Zu den ehrgeizigen Plänen Chinas gehört auch eine bemannte Mondmission - bis 2029 soll es laut der Nationalen Raumfahrtbehörde so weit sein.

Quelle: AFP

Quelle: dpa
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