<iframe title="GTM" src="https://www.googletagmanager.com/ns.html?id=GTM-WBPR4W&gtm_auth=3wMU78FaVR9TNKtaXLbV8Q&gtm_preview=env-23&gtm_cookies_win=x" height="0" width="0" style="display:none;visibility:hidden"></iframe>
Ein Sturm wütet auf dem Mars

„Opportunity“, bitte melden!

Von Manfred Lindinger
Aktualisiert am 14.06.2018
 - 15:41
zur Bildergalerie
Auf dem Mars ist ein starker Sturm aufgezogen und hat den Himmel über weite Teile des Planeten verdunkelt. Der kleine Marsrover „Opportunity“ hat sich selbst runtergefahren. Die anderen Sonden sind noch auf Empfang und beobachten das Geschehen.

Auf dem Mars tobt seit Tagen ein gewaltiger Sandsturm, der sich über den ganzen Planeten auszubreiten droht. Betroffen ist bislang ein riesiges Gebiet auf der nördlichen Hemisphäre, das etwa ein Drittel der Marsoberfläche ausmacht. Im Zentrum des Sturms befindet sich der Marsrover „Opportunity“. Der Sturm hat das kleine Gefährt, das seinen Strom aus Sonnenenergie gewinnt, lahmgelegt. Offenbar kann kein Licht mehr durch die dichten Staubwolken dringen. Ob „Opportunity“ wieder anspringt, sobald sich die Situation wieder beruhigt hat, können die Wissenschaftler von der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa derzeit nur hoffen, wie sie auf einer Pressekonferenz gestern Abend verkündeten.

Staubstürme sind auf dem Roten Planeten nichts außergewöhnliches. Sie treten regelmäßig zu allen Marsjahreszeiten auf. Üblicherweise sind sie lokale Geschehnisse, die nur ein paar Tage andauern. Alle drei bis vier Marsjahre (ein Marsjahr entspricht zwei Jahren auf der Erde) wird ein Sturm jedoch so stark, dass er sich über den ganzen Planeten ausbreitet. Es kann Wochen, manchmal Monate dauern bis er sich wieder gelegt hat. Der letzte große Sturm wurde im Jahr 2007 beobachtet. Jetzt scheint offenbar wieder, ein solches Großereignis bevorzustehen.

Eine einmalige Forschungsgelegenheit

Für die Wissenschaftler der Nasa ist das die ideale Gelegenheit, einen globalen Sturm genauer zu erforschen. Denn so viele Raumsonden wie derzeit, hatten den Roten Planeten noch nie im Blick. In der Umlaufbahn kreisen derzeit allein drei Orbiter der Nasa, auf der Marsoberfläche ist derzeit noch „Curiosity“ aktiv.

Video starten

Gefahr für Mini-Roboter
Staubsturm bedroht Mars-Rover

„Jede Sonde kann einen einzigartigen Blick auf den Sturm werfen“, sagt Jim Watzin, Leiter des Nasa-Marsforschungsprogramms. Die Messdaten sind wertvoll, zum einen für künftige Missionen von Forschungsrobotern, aber auch für jene Astronauten, die in Zukunft auf dem Mars landen sollen.

Zudem liefern die Daten wichtige Informationen über die Geschichte und das Klima auf dem Planeten. Wie auf der Erde, so wird auch die Marsoberfläche von jedem Sturm geprägt und geformt. Wegen der dünnen Atmosphäre sind die Effekte auf dem Roten Planeten stärker ausgeprägt. „Jeder globale Marssturm, den wir beobachten, hilft uns diese Großereignisse besser zu modellieren und sie eines Tages vorherzusagen, ähnlich wie die El Nino-Ereignisse auf der Erde“, sagt Rich Zurek, Chefwissenschaftler bei der Nasa.

Opportunity - ein Überlebenskünstler

„In zwei bis drei Tagen wird der Sturm aller Voraussicht nach den ganzen Planeten bedecken“, sagte John Callas, Manager bei der Nasa in Washington. Der Marsrover „Curiosity“, der seit August 2012 den „Gale“-Krater knapp nördlich des Äquators des Planeten erkundet, hat in seiner Umgebung bereits eine zunehmende Staubkonzentration beobachtet. Weil den Rover eine Plutoniumbatterie mit Strom versorgt, wird er intakt bleiben, wenn sich der Marshimmel verdunkelt. Beim Rover „Opportunity“, der seine wissenschaftlichen Aktivitäten eingestellt hat, sind die Wissenschaftler zumindest zuversichtlich, dass er den Sturm übersteht. Dass, wie im Kinofilm „Der Marsianer“, Geräte und Instrumente einfach weggeweht werden, halten die Nasa-Wissenschaftler für sehr unwahrscheinlich.

„Opportunity“ erforscht seit bald 15 Jahren den Mars, obwohl seine Mission ursprünglich auf 90 Tage angesetzt war. „Er hat sich als bemerkenswert widerstandsfähiger Rover erwiesen“, sagte Nasa-Manager Jim Watzin. „Wir drücken ihm alle die Daumen.“ Weil der Staubsturm so gut wie keine Sonne mehr durchlässt, um die Solarbatterien aufzuladen, ist „Opportunity“ im Ruhemodus.

Bereits 2007 hatte „Opportunity“ einen noch viel größeren Sturm überstanden. Die damals damit einhergehende Kälte führte nach Einschätzung der Nasa-Wissenschaftler wohl drei Jahre später zum Verlust des baugleichen Marsrovers „Spirit“, der zusammen mit „Opportunity“ am 24. anuar 2004 auf dem Mars gelandet war.

„Opportunity“ hat sich als robuster erwiesen. Seit seiner Landung rollt das rund 185 Kilogramm schwere sechsrädrige Gefährt auf dem Roten Planeten umher, mit einer bemerkenswerten Ausdauer. 2012 war der Rover „Curiosity“ dazugekommen und erst im Mai hat die Nasa einen weiteren Lander, „Insight“, zum Mars geschickt. Ende November wird der Lander auf dem Roten Planeten erwartet.

Quelle: F.A.Z.
Manfred Lindinger - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Manfred Lindinger
Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.