Unbekannte Flugobjekte

Im Visier der Aliens

EIN KOMMENTAR Von Sibylle Anderl
29.06.2021
, 12:00
Kein Ufo, sondern eine Wolke am Himmel über China.
Über Außerirdische hat der neue Bericht des Pentagon nichts Neues enthüllt. Astronomen haben nun aber immerhin eingrenzen können, welche potentiellen Aliens im Kosmos uns bereits entdeckt haben könnten.
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Frustrierend ist es schon. Jetzt haben wir seit Freitag den ersten vorläufigen öffentlichen Bericht des Pentagons zu den UFO-Sichtungen der vergangenen Jahre. Und so richtig viel schlauer sind wir trotzdem nicht. Fünf Kategorien der UFO- oder UAP- (Unidentified Aeri­al Phenomena) Sichtungen gibt es darin — grundsätzlich bekannte Objekte, Atmosphärenphänomene, amerikanische oder fremde Militärtechnologien und „andere“, wobei letztere Kategorie die im Bericht ungenannten, aber öffentlich durchaus ersehnten Aliens beinhalten würde.

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Die Einordnung konkreter Sichtungen in diese fünf Kategorien gestaltet sich allerdings schwierig. „Limitierte Daten lassen die meisten UAP ungeklärt“, heißt es gleich am Anfang des Berichtes. Etwas, das wir mittlerweile alle kennen: Die empirische Wissenschaft ist nur so gut wie die Daten, mit denen sie arbeiten kann. Das Pentagon ist dran an dem Problem. Vorerst heißt es also, sich zu gedulden und auf bessere Beobachtungen zu warten.

Da trifft es sich gut, dass die Astronominnen Lisa Kaltenegger und Jackie Faherty fast zeitgleich in Nature eine neue Studie veröffentlicht haben, die von anderer Seite Hinweise zur Aufklärung liefern könnte. Die beiden haben auf der Grundlage des Gaia-Sternkatalogs ermittelt, welche fernen Sonnensysteme in den vergangenen 5000 Jahren die Chance gehabt haben, die Erde dabei zu beobachten, wie sie aus deren Sicht vor unserer Sonne vorbeiläuft. Auf diese Weise hätten potentielle ferne Beobachter „uns“ recht einfach per Transitmethode entdecken können — so machen wir es mit fremden Planeten schließlich auch. Von 1715 nicht weiter als 326 Lichtjahre entfernten Sternsystemen aus hätten potentielle Aliens demnach die Spuren menschlicher Zivilisationen aufspüren können, 319 werden in den kommenden 5000 Jahren noch dazukommen — 194 der 2034 Sterne ähneln dabei unserer Sonne.

75 fremde Sonnensysteme sind sogar so nah, dass sie bereits Radiowellen von der Erde empfangen haben könnten, sodass sie auf die Existenz einer technologisch fortgeschrittenen Zivilisation schließen dürften. Ob es dort irgendwo überhaupt die Chance auf Leben gibt, wissen wir natürlich nach wie vor nicht. Genauso wenig, wie es physikalisch funktionieren sollte, die gigantischen Distanzen von dort zu uns zu überbrücken. Aber wenn uns tatsächlich Aliens besuchen würden, dann dürften wir zumindest vermuten: Aus einem dieser 1715 Sonnensysteme würden sie wohl stammen.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenbild/ Sybille Anderl
Sibylle Anderl
Redakteurin im Feuilleton.
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