Thomas Stafford wird 90

Nur auf dem Mond landen durfte er nicht

Von Manfred Lindinger
Aktualisiert am 17.09.2020
 - 08:00
Der amerikanische Astronaut Thomas Stafford, Kommandant der Apollo-Kapsel (links), und der Kosmonaut Alexej Leonow, Kommandant der sowjetischen Sojus-Raumschiffes, aufgenommen in der Sojus-Kapsel nach dem erfolgreichen Apollo-Sojus-Kopplungsmanöver Mitte Juli 1975.zur Bildergalerie
Zurück zum Mond? Das ist für Thomas Stafford keine Frage. Als Pilot von Apollo 10 kam er unserem Trabanten selbst schon einmal recht nahe. Heute feiert der Weltraumveteran, der den Weg für die erste Mondlandung ebnete, seinen neunzigsten Geburtstag.

Ob als neuer Außenposten der Menschheit und Sprungbrett für bemannte Flüge zum Mars oder als Ziel zahlungskräftiger Raumfahrttouristen und als künftige Stätte für Weltraumbergbau – der Mond ist für die Raumfahrt so attraktiv wie lange nicht. Keine Raumfahrtnation, die ihre Fühler nicht bereits in Richtung Mond ausgestreckt hat. Amerika will möglichst schnell an die glorreiche Apollo-Ära anknüpfen. In vier Jahren, so das Ziel von Präsident Donald Trump, sollen wieder amerikanische Astronauten den Mond betreten 53 Jahre nach dem die Apollo-17-Astronauten Eugene Cernan und Harrison Schmitt am 14. Dezember 1972 den Mond verließen. Seit dem hat der Erdtrabant nur noch Besuch von unbemannten Sonden erhalten.

Zwar steht das Transportmittel bereit: das Raumschiff Orion MPCV. Es absolvierte Anfang Dezember 2014 erfolgreich seinen unbemannten Jungfernflug in der Erdumlaufbahn. Aber die antriebsstarke Trägerrakete, das Space Launch System, ist noch immer nicht startklar, auch wenn jüngst die Triebwerke getestet wurden. Und so ist nicht sicher, ob der für Ende 2021 geplante unbemannte Mondflug und die Generalprobe für die Ladung mit Astronauten ein Jahr später wirklich stattfinden werden.

Für den ehemaligen Apollo-Astronauten Thomas Stafford, der an diesem Donnerstag seinen 90. Geburtstag feiert, würde sich mit einer Rückkehr zum Mond ein alter Traum erfüllen. Denn Stafford, der mit Eugene Cernan und John Young mit dem Mondflug von Apollo 10 am 18. Mai 1969 den Weg für die Mondlandung zwei Monate später bahnte, saß Anfang der neunziger Jahre selbst in einem Gremium, das die Pläne des damaligen Präsidenten George Bush für eine Rückkehr zum Mond prüfen sollte.

Doch der 1930 in Weatherford (Oklahoma) geborene ehemalige Jagd- und Testpilot, der 1962 zum Astronautenkorps der Nasa stieß, 1965 und 1966 zwei Gemini-Flüge (Gemini 6 und 9) absolvierte und bis zum Apollo-10-Flug das Mondprogramm der Nasa mit koordinierte, musste miterleben, wie die Pläne immer wieder verschoben wurden und in den Schubladen verschwanden. Der Aufbau der Internationalen Raumstation und teure unbemannte Missionen zu den Planeten unseres Sonnensystems hatten Vorrang und zwangen zum Sparen. Mit dem sich abzeichnenden Ende der ISS in einigen Jahren begann ein Umdenken und der Mond rückte wieder in den Fokus der Nasa.

Generalprobe für die Mondlandung

Stafford hat nie wirklich bedauert, nicht selbst auf dem Mond gewesen zu sein. Immerhin näherte er sich mit Eugene Cernan an Bord der Mondlandefähre Snoopy am 26. Mai 1969 bis auf 14 Kilometer – näher als jeder Mensch vor ihnen. Noch näher kommen durften die beiden Astronauten von Apollo 10 nicht, denn eine Landung war nicht vorgesehen. Sie sollte Neil Armstrong und „Buzz“ Aldrin am 21. Juli 1969 mit der Eagle vorbehalten sein. Die Generalprobe, in der Ab- und Andockmanöver sowie der Auf- und Abstieg der Landefähre erstmals in der Mondumlaufbahn getestet wurden, verlief nahezu reibungslos.

Einen Absturz beim Wiederaufstieg der Landefähre infolge eines Softwarefehlers konnten Stafford und Cernan noch rechtzeitig verhindern. Nach 31 Mondumrundungen trat Apollo 10 die Rückreise zur Erde an, mit einer Rekordgeschwindigkeit von rund 40.000 Kilometern pro Stunde.

Am 15.Juli 1975 flog Stafford ein letztes Mal mit einer Apollo-Kapsel ins All, zum ersten zweitägigen Rendezvous mit einer sowjetischen Sojus in der Erdumlaufbahn. Aus dem Kontakt der beiden Raumschiffen ist eine lange Freundschaft mit dem russischen Sojus-Kommandanten Alexei Leonow entstanden. Der Wettlauf zum Mond im Zuge des Kalten Krieges war mit dem Erfolg von Apollo 10 längst entschieden.

Quelle: F.A.Z.
Manfred Lindinger - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Manfred Lindinger
Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.
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