FAZ plus ArtikelErfolgsmodell Biofilm

Wie Bakterien sich zu Schleim-WGs zusammenschließen

Von Janina Stautz
23.09.2022
, 11:00
Unter Laborbedingungen gewachsen sieht dieser Biofilm aus Pseudomonas aeruginosa Zellen ästhetisch aus. In Kliniken ist er ein gefürchteter Keim: Er kann chronische Infektionen der Atemwege, Wund- und Harnwegsinfektionen hervorrufen. Die Komplexität dieser Biofilme macht sie für Forscher besonders spannend. Scott Chimileski und Roberto Kolter haben einige in dem Buch „Life at the Edge of Sight“ beschrieben, aus dem auch Fotos dieser Seite stammen.
Biofilme sind sehr komplexe und vielseitige Gemeinschaften von unzähligen Bakterienarten. Aufsehen erregen sie oft nur als Krankheitskeime, dabei leisten sie Erstaunliches.
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Als der niederländische Naturforscher Antoni van Leeuwenhoek im 17. Jahrhundert in sein selbst gebautes Mikroskop blickte, wimmelte es nur so von kleinen Einzellern. Sie schwammen frei durcheinander, einige von ihnen – davon zeugen Zeichnungen des Forschers – hatten sich aber auch zu gewebeartigen Strukturen zusammengefunden. Das wimmelige Universum stammte dabei nicht nur von Proben, die er aus dem Teich und Regenwasser entnahm, sondern auch von Leeuwenhoeks Zähnen. Er hatte dort vor dem morgendlichen Zähneputzen den Belag abgeschabt und in etwas Wasser gelöst. So entdeckte er kleinste Organismen, die bis dahin für das menschliche Auge unsichtbar waren.

Leeuwenhoeks vielleicht etwas unappetitlich anmutendes Interesse an dem, was auf seinen Zähnen siedelt, hat den Grundstein für eine völlig neue Forschungsrichtung gelegt: die Welt der Bakterien. Es dauerte allerdings mehr als 200 Jahre, bis ihre Bedeutung als Krankheitserreger entschlüsselt wurde. Und erst langsam beginnen die Wissenschaftler zu verstehen, dass diese einzelligen und wenig komplexen Organismen ohne Zellkern keineswegs nur Einzelwesen sind. Sie bilden vielmehr komplexe, miteinander kommunizierende Netzwerke und Verbünde mit anderen Bakterien, durch die auch medizinisch relevante neue Eigenschaften entstehen. Ihre Erforschung könnte nicht nur dazu beitragen, Ressourcen in der Industrie zu schonen, sondern sogar eines der drängendsten Probleme der modernen Medizin lösen.

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Quelle: F.A.S.
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