Machtbalance

16.06.2010
, 12:00
Moralunternehmen contra Weltkonzerne - das sind jenseits der Labors der Grundlagenforschung die Spieler auf einer öffentlichen Bühne, auf der sich die Auseinandersetzung um die grüne Gentechnik abspielt. Welche der beiden Lobbys hat die Nase vorn? Die inzwischen in Berlin tätige Politikund Managementexpertin Juliana ...

Moralunternehmen contra Weltkonzerne - das sind jenseits der Labors der Grundlagenforschung die Spieler auf einer öffentlichen Bühne, auf der sich die Auseinandersetzung um die grüne Gentechnik abspielt. Welche der beiden Lobbys hat die Nase vorn? Die inzwischen in Berlin tätige Politikund Managementexpertin Juliana Veit hat mit einer Forschungsarbeit an der Technischen Hochschule Wildau die Strategien und Erfolgsaussichten der selbsternannten Verbraucheranwälte und Agrarrevolutionäre in Brüssel systematisch untersucht. Gibt es so etwas wie eine Machtbalance beispielsweise zwischen "EuropaBio", einer der mächtigsten Lobbygruppen der Industrieverbände, und Greenpeace als dem Gegenspieler? Veit zeigt, dass beide seit Jahren durchaus erfolgreich politischen Einfluss ausüben. Die Mittel sind jeweils andere. Aber eben auch die Zielgruppen. Die Industrie zielt direkt auf die politischen Zirkel, der Umweltverband indirekt durch Instrumentalisierung der Öffentlichkeit. Veits dicht formulierter Bericht deckt einige der entscheidenden Hebel der Lobbyisten auf, sie erzeugt damit freilich auch ein Bild von Machtstrukturen, wie sie insbesondere Wissenschaftlern, die unparteiisch bleiben und nach Fortschritten suchen möchten, unangenehm aufstoßen. Sichtbar wird ein interessengeleitetes Gezerre, wie es wohl vergleichbar nur noch im Gesundheitssektor zu finden ist.

jom.

Juliana Veit: "EU-Lobbying im Bereich der grünen Gentechnik". Tectum Verlag, Marburg 2010. 169 S., 24,90 Euro.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.06.2010, Nr. 136 / Seite N2
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