Teleskope

Vom Sehrohr zur adaptiven Optik

Von Günter Paul
20.02.2009
, 13:00
Das große Binokzulare Teleskop auf dem Mount Graham in Arizona
Vor vierhundert Jahren kamen die ersten Teleskope in Umlauf. Seitdem hat sich einiges getan: Ein Band verfolgt die Geschichte der Instrumente und Beobachtungstechniken von Galilei bis in unsere Gegenwart.
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Als der niederländische Brillenmacher Jan Lippershey im Jahr 1608 ein Patent auf das von ihm erfundene Teleskop anmeldete, wurde ihm dieses nicht gewährt. Auch andere behaupteten, das Teleskop erfunden zu haben. Wem letztlich die Ehre gebührt, ist bis heute ungeklärt. Sicher ist, dass Galileo Galilei ein solches Instrument ein Jahr später auf den Himmel richtete und dabei Belege für das kopernikanische Weltbild fand, demzufolge sich die Planeten um die Sonne bewegen. Dessen wird momentan, 400 Jahre nach diesen frühen Beobachtungen, mit dem Internationalen Jahr der Astronomie gedacht, zu dem Govert Schilling und Lars Lindberg Christensen das Buch "Unser Fenster zum Weltraum" beigesteuert haben.

Das Buch ist mehr, als der Untertitel "400 Jahre Entdeckungen mit Teleskopen" besagt. Denn in den Texten und vor allem Fotos geht es keineswegs nur um die Entdeckungen, sondern mindestens in gleichem Umfang um die Entwicklung der Beobachtungstechniken. Mit Galileis Fernrohr konnte man selbst im günstigsten Fall kaum mehr als vermuten, was der Himmel an Wundern verbarg. Die Ringe des Saturns beispielsweise nahm Galilei als Henkel des Planeten wahr.

Instrumente statt Nachtwachen

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Seitdem sind die Teleskope gleichsam ins Unermessliche gewachsen, und sie wachsen immer noch weiter. Derzeit haben die größten Fernrohre Spiegel mit acht bis zehn Meter Durchmesser. Das hier abgebildete "Große Binokulare Teleskop" auf dem Mount Graham in Arizona hat sogar zwei 8-Meter-Spiegel, mit denen man das zu untersuchende Himmelsfeld zum Beispiel in zwei Spektralbereichen gleichzeitig aufnehmen kann. Bald sollen die ersten Teleskope mit 25 bis 30 Meter Durchmesser - auf die die Autoren auch eingehen - bereitstehen.

Die ersten Astronomen der Neuzeit mussten noch zeichnen, was sie beim Blick durch das Teleskop sahen. Mit der ersten Daguerrotypie des Mondes, die John Draper im Dezember 1839 gelang, begann das Zeitalter der Astrofotografie, die bis vor einem Vierteljahrhundert die Bilder vor allem auf große Fotoplatten aus Glas zauberte. Mittlerweile ist das Silberkorn dem digitalen CCD-Detektor gewichen. Der "Sloan Digital Sky Survey" etwa hat, wie die Autoren schreiben, in jeder Nacht einen Datenausstoß von 200 Gigabyte.

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Fein steuerbare Spiegel

Dass sich die Astronomie gerade in den vergangenen Jahrzehnten sprunghaft entwickelte, hat ganz unterschiedliche Ursachen. Zum Teil waren technische Neuerungen verantwortlich wie die aktive Optik, die auf vergleichsweise dünnen, von vielen "Aktoren" in Form gehaltenen Spiegeln beruht. Die adaptive Optik erlaubt es darüber hinaus, die Spiegel derart der Luftunruhe anzupassen, dass diese gerade aufgehoben wird - das gängigste Verfahren, mit großen Teleskopen scharfe Bilder zu erhalten. Zu erwähnen seien ferner die Teleskope für Spektralbereiche außerhalb des Lichts, die beispielsweise Radio-, Röntgen- oder Gammastrahlung empfangen. Neuerdings kommen Detektoren für kosmische Neutrinos, für die geladenen Teilchen der kosmischen Strahlung und für Gravitationswellen hinzu.

Govert Schilling und Lars Lindberg Christensen: „Unser Fenster zum Weltraum“. Verlag Wiley-VCH, Weinheim 2009. 132 S., zahlr. Abb., geb., 24,90 € (inkl. einstündige DVD).

Quelle: F.A.Z.
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