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Wir brauchen eine Fleischwende

Von Wiebke Hüster
17.09.2021
, 19:42
 Um dem sogenannten Ebergeruch vorzubeugen, werden männliche Ferkel  kastriert – bis Ende 2020 durfte die qualvolle Prozedur ohne Betäubung durchgeführt werden.
Wir reden davon, den Klimawandel zu bekämpfen, schweigen uns aber über Nutztierhaltung und Fleischproduktion aus. Dabei gehört beides zusammen.

Was haben die Länder Vietnam, Singapur, Brasilien, Argentinien, Südafrika und Südkorea gemeinsam? Sie zählen zu jenen Ländern, die nach Gesprächen mit dem Bundeslandwirtschaftsministerium über den Handel mit verarbeiteten und behandelten Schweineprodukten der Aufhebung der Exportsperre nach dem Auftreten der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland vor einem Jahr zugestimmt haben: Sie kaufen wieder. Doch das Fleisch als Produkt der deutschen Landwirtschaft hat weiterhin große Zukunftsprobleme. Denn deutsche Landwirtschaft, das heißt auch 2021 noch immer: massenhafte Tierproduktion, die nicht nur dazu dient, die deutsche und vielleicht noch Teile der europäischen Lebensmittelversorgung sicherzustellen.

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner trägt bei jedem neuen Zugeständnis bäuerlicher Fleischproduktion hinsichtlich des Tierwohls mantraartig die Mahnung vor, „wir“ müssten doch die Ernährung „unserer“ Bevölkerung „sicherstellen“ – als wäre es kurz nach dem Zweiten Weltkrieg oder als hätte die Pandemie nicht nur die deutsche Abhängigkeit von internationalen Pharmakonzernen aufgezeigt, sondern auch Lebensmittelknappheit erzeugt. Aber wie passen Frau Klöckners warnende Worte eigentlich zu der Tatsache, dass sechzig Prozent der landwirtschaftlich genutzten Flächen dem Futtermittelanbau dienen, also nicht unmittelbar der Produktion von menschlicher Nahrung?

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