Verlagsspezial
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Produktion & Recycling

Stäbchenhochsprung

Ab 2021 verbietet die EU eine Reihe von Einwegprodukten aus Plastik, dazu zählen auch Kunststoff-Sticks für Lollis oder Wattestäbchen. Das Unternehmen Setter bietet die ökologische Alternative: Seit vielen Jahren ist die Firma Weltmarktführer in der Produktion von nachhaltigen Papierstäbchen. Die Geschichte eines Unternehmens, dessen Produkte plötzlich unglaublich gefragt sind.

Steffen Grasse ist ein Weltreisender in Sachen Papierstäbchen. Der Kalender ist prall gefüllt mit Geschäftsterminen im In- und Ausland. Die Reisen führen ihn nach China, in die USA und nach Mexiko. Viel zu tun gegeben habe es schon immer, sagt der Geschäftsführer von Setter, einem Unternehmen der Gesco Gruppe, die eine Reihe von mittelständischen Marktführern in ihrem Portfolio führt. „Richtig verdichtet hat sich das aber seit diesem ominösen Tag im Oktober 2018.“ Ein wenig komme er sich vor wie in der Geschichte vom Hasen und vom Igel: „Egal, wie schnell wir sind, es gibt immer neue Aufträge abzuarbeiten. Das stellt uns schon vor Herausforderungen.“ Innerhalb der letzten Monate stiegen die Aufträge, wuchs die Zahl der Mitarbeiter: Bislang waren bei Setter immer rund 70 Leute tätig gewesen, nun sind es über 150, die Belegschaft hat sich also mehr als verdoppelt. „Das muss man erst einmal managen“, sagt Grasse.

Die Masse macht’s: Die Papiersticks sind klein, werden aber in millionenfacher Ausführung produziert und vertrieben.

Weltweiter Trend weg vom Plastik

Was also war passiert an diesem „ominösen Tag im Oktober“? Alle Blicke richteten sich nach Straßburg, wo die Abgeordneten des Europaparlaments eine bahnbrechende Richtlinie auf den Weg brachten. Um endlich Plastikmüll zu reduzieren, kündigte die Politik das Verbot von vielen Einwegprodukten aus Kunststoff an; verbannt werden ab 2021 auch Plastiksticks, die bei Wattestäbchen zum Einsatz kommen. Das Verbot gilt zwar nur in Europa, doch hat die Entscheidung die Stäbchenbranche weltweit auf den Kopf gestellt: Der Trend geht weg vom Plastik, hin zur nachhaltigen Alternative. Und genau darauf hat sich Setter bereits seit vielen Jahren spezialisiert.

Das 1963 in Emmerich am Niederrhein gegründete Unternehmen ist weltweiter Marktführer in der Branche der Papiersticks, rund 80 Prozent ihrer Umsätze macht die Firma mit internationalen Kunden. Bislang war der Markt der Papierstäbchen eher „ein kleiner Teich“, wie Steffen Grasse sagt, „mit uns als größtem Fisch“. Die EU-Entscheidung und der weltweite Trend weg vom Plastik haben die Grundlage geändert. „Der Teich wird immer größer. Und wir wollen uns auch in dieser neuen Umgebung als großer Fisch behaupten.“ Die Voraussetzungen dafür sind glänzend: Als rund um den EU-Beschluss die Nachfrage nach nachhaltigen Stäbchen stieg, war Setter der logische Ansprechpartner. Für Geschäftsführer Steffen Grasse kam das nicht überraschend: „Für viele sind nachhaltige Sticks ein neues Feld – für uns sind sie seit Jahren das Kerngeschäft.“

Steffen Grasse, Geschäftsführer von Setter
Setter-Papiersticks splittern nicht und bei Bruch bilden sich keine scharfen Kanten.

Zertifikate für die Nachhaltigkeit

Die Sticksproduktion für Wattestäbchen und Lollis, aber auch für Fähnchen und Luftballons, ist ein Business mit riesigen Stückzahlen. In der Branche schätzt man, dass alleine in der EU jährlich 80 bis 90 Milliarden Wattestäbchen verbraucht werden. Bei Lutschern dürfte die Zahl ebenfalls im Milliardenbereich liegen, wobei diese Süßigkeiten häufig aus Asien nach Europa importiert werden. Nach der Nutzung sind Watte- und Lutscher-Stäbchen Wegwerfprodukte, und genau das ist das Problem: Viel zu viele Plastiksticks sind in die Ozeane gelangt, wo sie zusammen mit anderem Kunststoff-Abfall gigantische Müllteppiche bilden und für Fische und Seevögel eine Bedrohung darstellen. Und auch abseits der Meere werden falsch entsorgte Kunststoffstäbchen zum Problem: Werfen Nutzer gebrauchte Sticks in die Toilette, verstopfen die Plastikreste die Kanalisation, belasten das Grundwasser.

Die von Setter produzierte Alternative aus Papier bietet aus ökologischer Sicht entscheidende Vorteile. Nach dem Gebrauch lösen sich die Stäbchen auf. Sie sind damit biologisch abbaubar und belasten die Umwelt nicht. Hergestellt werden die Sticks aus regenerativen Zellstoffen. Zertifizierungen mit den Öko-Siegeln FSC und PEFC garantieren, dass die Papierprodukte aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern stammen. „Wir produzieren die Sticks als einhundertprozentiges Naturprodukt, ohne jegliche chemische Zusätze wie zum Beispiel optische Aufheller, mit denen etwa Kopierpapier behandelt wird, damit es weißer wirkt“, sagt Steffen Grasse. Das Unternehmen muss zudem die vielfältigen Vorschriften aus dem Lebensmittel- und Gesundheitsbereich erfüllen, schließlich gelangen die Lutscher-Sticks in den Mund, die Wattestäbchen zum Beispiel in die Ohren. Der Geschäftsführer zählt auf, worauf es dabei ankommt: „Unsere Sticks splittern nicht, sie sind biegsam, geschmacksneutral und haben keine scharfen Kanten.“

Bruchtest: Weil die Sticks in Ohr und Mund zum Einsatz kommen, testet Setter, dass sie auch bei Belastung nicht brechen.

Milliardengeschäft nach Maß

Bei der Fertigung der Stäbchen profitiert Setter davon, die Maschinen für die Produktion selbst entwickelt zu haben. „Unsere Anlagen sorgen dafür, dass wir deutlich produktiver und günstiger als die Konkurrenz sind“, sagt Steffen Grasse. Garant für den Erfolg sei zudem die Maßhaltigkeit der Produkte: Die Sticks mögen auf den ersten Blick simpel wirken, doch werden sie beim Kunden zum zentralen Teil einer Fertigung, in der es auf drei Dinge ankommt: Tempo, Qualität und Kosten. Die Kunst sei es, alle drei Kriterien zu optimieren. „Unsere Kunden produzieren ihrerseits ebenso auf Hochleistungsmaschinen, die Ansprüche an unsere Stäbchen sind also enorm“, erläutert Grasse. Die Sticks müssen biegsam sein, dürfen nicht brechen, Länge und Durchmesser müssen exakt passen. Fehlerhafte Stäbchen führen zu Produktionsausfällen – und diese sind in diesem Geschäft unbedingt zu vermeiden. Steffen Grasse bringt es auf den Punkt: „Gleichzeitig und zuverlässig Qualitäts- und Preisführer zu sein – das ist die besondere Stellung, die wir auf diesem Markt einnehmen.“

Diese Position will das Unternehmen unbedingt verteidigen. In der Zentrale in Emmerich geht man davon aus, dass der Wettbewerb im Bereich der Papersticks-Produktion weiter an Intensität zunehmen wird. Weil parallel die Preise für die nachhaltigen Zellstoffe steigen, die bei Setter zum Einsatz kommen, ist kluges Management gefragt. Dabei helfen die langfristigen Geschäftsbeziehungen, die Setter zu seinen Lieferanten pflegt: „Gegenüber neuen Playern in der Branche haben wir den Vorteil, über viele wertvolle Erfahrungen und Kontakte zu verfügen“, sagt Steffen Grasse. Die Vorreiterrolle hilft dem Unternehmen auch dabei, auf neue Entwicklungen zu reagieren. „Einige Kunden, die auf Plastikstäbchen verzichten, setzen nun direkt auf Sticks aus Recycling-Papier, um ihrer nachhaltigen Ausrichtung weiteren Nachdruck zu verleihen“, sagt Steffen Grasse. Das Problem dabei: Nicht alles, was mal Zeitung war, kann nun zum Stäbchen werden. Schließlich finden sich in diesem Papier chemische Rückstände. Setter nutzt daher unbehandelten Papier-Verschnitt oberster Güte – und wird auch hier den hohen Qualitätsanforderungen gerecht.

Ein triviales Geschäft? Der Setter-Geschäftsführer schüttelt den Kopf, wenn er dieses Klischee hört. „Für die Ozeane ist Plastikmüll nicht trivial.“ Wenn er sich darüber hinaus anschaue, wie sich das Unternehmen in den vergangenen Monaten entwickelt hat, dann könne er sich kaum einen interessanteren Job vorstellen. „Weil wir wachsen, gibt es eine Reihe neuer Abteilungen, Prozesse und Strukturen. Diesen Wandel mit unserer Erfahrung in Einklang zu bringen, bedeutet eine Menge Arbeit – ist aber vor allem ungemein spannend.“


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29.12.2020
Quelle: Neudenken