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Eine deutsche ENA in Speyer? Wie aus einer ungeliebten Idee eine gefragte Referendarstation wurde

Von Stefan Fisch
21.06.2022
, 17:14
Die Aufnahme zeigt den Kaiser- und Mariendom zu Speyer
Unter Juristen mit besonderem Interesse am Öffentlichen Recht ist Speyer bekannt als Sitz der Deutschen Universität für Verwaltungswissenschaften (DUV). Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte haben hier wohl über 40 000 Rechtsreferendare ein „Ergänzungsstudium“ absolviert. In akademischer Freiheit konnten sie dabei neben Rechtswissenschaft auch Verwaltungs-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaft und Geschichte studieren. In diesen Tagen begeht die Speyerer Universität den 75. Jahrestag ihrer Gründung. Diese erfolgte durch die französische Besatzungsmacht. Die Bundesländer betrachteten die neue Einrichtung aber zunächst mit Argwohn.
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Am 11. Januar 1947 errichtete der Administrateur Général (Generalverwalter) Émile Laffon, Stellvertreter des Oberbefehlshabers in Deutschland, mit Arrêté (Verfügung) Nr. 194 eine École Supérieure d’Administration in Speyer. Die nicht maßgebliche deutsche Fassung im Amtsblatt der Militärregierung bezeichnet sie als „höhere Verwaltungsakademie“. Das klang sehr ähnlich, doch bündelten sich hier recht unterschiedliche Vorstellungen von Struktur und Aufgaben der Neugründung.

Am Anfang der Überlegungen in Baden-Baden, der Zentrale der französischen Besatzung in Deutschland, stand spätestens Mitte 1946 der Blick auf die neue École Nationale d’Administration (ENA) in Paris. Sie wurde am 9. Oktober 1945 im Rahmen einer umfassenden Verwaltungsreform gegründet, bei der erstmals Fragen der höheren Beamten zentral geregelt wurden. Die ENA, Ende 2021 von Präsident Macron aufgelöst, wurde bald eine der prestigeträchtigsten Grandes Écoles in Frankreich. Solche „Schulen“ haben dort deutlich höheres Ansehen als die Universitäten, weil sie ihre „Schüler“ (élèves) durch einen strengen, aber im Zeichen der Gleichheit für alle offenen concours (Wettbewerb) auswählen.

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Quelle: F.A.Z. Einspruch
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