Wie erkläre ich’s meinem Kind?

Wieso es an manchen Orten zu viel regnet

Von Anna Schiller
16.07.2021
, 11:56
Häuser werden weggespült, Bäume stürzen um, Flüsse werden reißend, sogar Menschen sterben in den Fluten: Dass es gerade in manchen Teilen des Landes zu viel regnet, liegt an einer Großwetterlage – und an uns Menschen.

In diesem Sommer regnet es in einigen Teilen Deutschlands sehr viel. So viel, dass in manchen Orten Flüsse und Bäche über die Ufer traten, Keller vollliefen oder Häuser weggeschwemmt wurden. In anderen Regionen, zum Beispiel in Brandenburg, ist es jedoch sehr trocken. Dort gab es im Juni sogar Waldbrände. Kann es sein, dass es gleichzeitig zu viel und zu wenig regnet?

Auf unserer Erde ist Wasser immer in Bewegung. Regen bleibt nicht einfach liegen. Er fließt in Flüsse oder Seen, er versickert in den Boden, oder er verdunstet und steigt als Wasserdampf wieder in die Atmosphäre auf. Dort bilden sich Wolken, und schließlich regnet es wieder. Aber manchmal wird dieser Kreislauf gestört. Daran sind auch wir Menschen schuld.

Viele Flächen sind versiegelt. Das heißt, dort verdecken Häuser und Straßen den Boden. Besonders in den Städten ist das der Fall. Weil Regen nicht durch dicke Asphaltschichten dringen kann, versickert er dort nicht so gut. Der Regen muss also über die Kanalisation oder Flüsse abfließen. Wenn es sehr viel regnet, kann es jedoch passieren, dass sie die Wassermassen nicht mehr auffangen können. Dann sprudelt das Wasser aus den Gullydeckeln heraus und tritt über die Flussufer. Es kommt zu Überflutungen, wie denen, die wir gerade in den Nachrichten sehen. Wenn es in kurzer Zeit sehr viel regnet, sprechen Meteorologen von „Starkregen“. Sie sagen auch, dass solche extremen Ereignisse infolge des Klimawandels zunehmen könnten.

Die aktuelle Regenperiode sei allerdings besonders schlimm, sagt Franz Molé, der als Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst das Wetter erforscht. Gerade befänden wir uns in der Großwetterlage „Tief Mitteleuropa“. Von einer Großwetterlage spricht man, wenn das Wetter in einem großen Gebiet über mehrere Tage gleich bleibt. Das ist kein ungewöhnlicher Vorgang. Großwetterlagen bestimmen unser Klima. Derzeit wird schwül-warme Luft vom Mittelmeer über die Atmosphäre in einige bestimmte Teile Deutschlands gewirbelt. Weil bei warmen Temperaturen Wasser leichter verdunstet, enthält diese Luft viel Feuchtigkeit.

Da sich die Großwetterlage über mehrere Tage nicht ändert, fällt die Feuchtigkeit derzeit über den immer gleichen Gebieten als Regen herab. Gleichzeitig enthält schon die warme Mittelmeerluft außergewöhnlich viel Feuchtigkeit. Deswegen ist der Regen auch noch besonders stark. In den betroffenen Regionen hat es innerhalb weniger Stunden so viel geregnet wie normalerweise in einem ganzen Monat, sagt Molé. Er schätzt, das eine so extreme Wetterlage nur alle einhundert Jahre vorkommt. Zumindest war es bisher so. Es ist also tatsächlich so, dass manche Regionen derzeit zu viel Regen abbekommen, während andere Gebiete auf dem Trockenen sitzen und sich Regen wünschen würden.

Diese Extreme bereiten der Natur Stress. Am besten wäre es, wenn es regelmäßig überall ein wenig regnen würde. Dann wären die Böden immer gut angefeuchtet, und Kanalisation und Flüsse könnten das abfließende Wasser leicht transportieren. Molé sagt, das könne man sich wie beim Blumengießen vorstellen: Wenn man eine Topfpflanze immer leicht gießt, kann die Erde im Topf das Wasser gut aufnehmen. Wenn man aber in einem Rutsch die komplette Gießkanne über dem Topf ausschüttet, läuft das Wasser über. Für den Start der Sommerferien im Rhein-Main-Gebiet gibt Molé Entwarnung: Die nächsten Tage sollen weniger dramatisch werden.

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Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Schiller, Anna
Anna Schiller
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